Heinrichs, Jan-Hendrik:

Grundbefähigungen : zum Verhältnis von Ethik und Ökonomie

Duisburg-Essen (2004), 301 S.
Dissertation / Fach: Allgemeines, Sonstiges
Fakultät für Geisteswissenschaften » Institut für Philosophie
Dissertation
Abstract:
Die Arbeit rekonstruiert im Rahmen eines kontraktualistischen Theorierahmens die konkreten Lebensbedingungen, die in einem Staat vorherrschen müssen, damit dieser als legitim anzusehen ist. Dieses Lebensbedingungen werden im Begriffsrahmen der Befähigungsansatzes (‚Capability approach’) formuliert. Dieser Ansatz wird in einer detaillierten Diskussion gegenwärtiger Gerechtigkeitstheorien weiterentwickelt, um sowohl menschenrechtliche wie auch innergesellschaftliche Verteilungsaspekte beurteilen zu können. Die Diskussion kontemporärer Gerechtigkeitstheorien stellt sich der Frage, welche Verteilungsmechanismen (Aggregation und Maximierung, Gleichheit, Leximin, Bedürfnisse, Verdienst) und welche Verteilungsmaßstäbe (Nutzen, Ressourcen, Grundgüter, Befähigungen) in einer gerechten Ordnung angewendet werden. Dabei kristallisiert sich der Befähigungsansatz in Abgrenzung zu klassischen Positionen als die überlegene Alternative heraus. Er ist aber dabei aus Gründen der Klarheit genauer zu definieren als das in den Schriften von Sen und Nussbaum bisher geschieht. Daher werden die charakteristischen Eigenschaften Leximin-Verfahren, Bedürfnissicherung, starke vage Theorie des Guten eigens herausgestellt und die differierenden Ansätze von A. Sen und M. Nussbaum zu vereinigen versucht. Die hier verteidigte Position ergibt sich aus der Diskussion klassischer und modernern Theorien der politischen Philosophie und stellt eine Verbindung der Theorien von J. Rawls und des Capability approach dar. Sie wählt als das Konzept des zu verteilenden Gutes das Konzept der Befähigungen, während der Verteilungsmodus in ein gestaffeltes Verfahren überführt wird. Zum einen ist dabei die Sicherung der Grundbedürfnisse anzustreben, zum anderen ist insbesondere im Binnenraum der Gesellschaftlichen Kooperation ein fairer Anteil einzufordern, der gemäß dem Leximin-Verfahren bestimmt wird. Die erarbeitete Theorie der Gerechtigkeit bedarf eines relativ aufwändigen Apparates empirischer Untersuchungen zu ihrer Umsetzung. Die Grundlagen dessen werden hier ebenfalls dargelegt. Es wird anhand von gegenwärtigen Grundbedürfnis-, Grundrechts- und Befähigungslisten erarbeitet, welche konkreten Befähigungen die Grundlage eines gelungenen menschlichen Lebens darstellen können, und wie sie zu messen sind. Im Zentrum dieses Kapitels steht daher die Analyse und Weiterentwicklung gängiger Indikatoren bei der Erfassung des Lebensstandards.