Spindler, Milena:

Determinanten der Lebensqualität von Multiple-Sklerose-Betroffenen

Duisburg, Essen (2007), 87 Bl.
Dissertation / Fach: Medizin
Medizinische Fakultät » Universitätsklinikum Essen » Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie
Elsenbruch, Sigrid (Doktorvater, Betreuerin)
Kugler, Joachim (GutachterIn)
Dissertation
Abstract:
Multiple Sklerose ist eine häufige chronische neurologische Erkrankung, die mit einer deutlich reduzierten Lebensqualität verbunden ist. Studien zu Determinanten der Lebens­qualität liefern widersprüchliche Ergebnisse. Insbesondere die relative Bedeutung einzelner Determinanten bei simultaner Betrachtung verschiedener Faktoren ist wenig unter­sucht. Ziele dieser Studie waren deshalb der Vergleich der gesundheitsbezoge­nen Lebens­­qualität einer großen deutschen Stichprobe von MS-Betroffenen mit der Lebens­­qualität der Gesamtbevölkerung und die Untersuchung der Determinanten der Lebens­qualität der MS-Erkrankten unter Berücksichtigung einer großen Zahl verschiedener Variablen. Alle 7050 MS-betroffenen Mitglieder der Deutschen Multiple Sklerose Gesell­schaft, Landes­verband Nord­rhein-West­falen, erhielten einen Fragebogen. Dieser enthielt eine deutsche Fassung des Multiple Sclerosis Quality of Life (MSQOL)-54 (eine Erwei­te­rung des Short-Form (SF)-36 zur krankheits­spezifischen Erhebung der gesund­heits­bezogenen Lebens­qualität), sozio­demographische und krankheitsbezogene Daten und die Kurzform des Freiburger Frage­bogens zur Krank­heits­verarbeitung (FKV-LIS). Frage­bögen von 3157 Personen wurden ausgewertet (Rück­lauf­quote 44,8%). Die MS-Be­trof­fenen wiesen auf allen Skalen des SF-36 signifikant nie­dri­gere Werte auf als eine im Rahmen des Bundes-Gesundheits­surveys 1998 unter­suchte Stich­probe aus der Gesamt­­bevöl­kerung. Ein Großteil der unter­suchten krank­heits­­bezoge­nen und soziodemogra­phi­schen Daten und der Krankheits­verarbei­tungsstile zeigte sig­nifikante, wenn auch zum Teil schwache Zusammen­hänge mit der körper­li­chen und der psychischen Summen­skala des MSQOL-54. In schrittweisen multiplen linea­ren Regres­­sions­­analysen wurde die körper­liche Summen­skala am besten vorher­gesagt durch Fatigue (starke Erschöpfung/ Ermü­dung), depressive Krankheits­ver­arbeitung, Gehfähigkeit und Muskelschwä­che (Varianz­aufklä­rung insgesamt 79%). Die be­deut­samsten Prädiktoren der psychischen Lebens­qualität waren depressive Krank­heits­­verarbeitung, ein Krankheits­verarbeitungs­stil des Ba­gatel­lisie­rens und Wunschdenkens, kognitive Beeinträchti­gun­gen und Fatigue (Varianz­­­aufklärung insgesamt 65%). Die Ergeb­nisse von Kreuz­­validierungen spra­chen für eine hohe Stabilität dieser Ergebnisse. Fatigue und ein de­pres­­siver Verarbei­tungs­stil schei­­nen also von großer Bedeutung für die reduzierte körper­liche und psychische Lebens­­quali­tät von MS-Betroffenen zu sein, und zwar unabhängig vom Grad der körper­lichen Beein­trächti­gung. Die Ergebnis­se unterstreichen die Forderung nach stärkerer Beachtung und sorg­fältiger Erhebung die­ser Symptome bei MS-Patienten. Sie legen nahe, dass eine effektive Behandlung von Fatigue, Depressivität und auch kognitiven Beeinträch­tigungen zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen führen kann.

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