Wiethege, Thorsten:

Differentialdiagnose bösartiger Pleuratumoren : imunhistochemische und molekularbiologische Untersuchungsbefunde

Essen (2001), 95 Bl.
Dissertation / Fach: Medizin
Medizinische Fakultät » Universitätsklinikum Essen » Institut für Pathologie und Neuropathologie
Dissertation
Abstract:
Die Differentialdiagnose bösartiger, pleural lokalisierter Tumoren allein nach den histomorphologischen Befunden kann im Einzelfall auch für den erfahrenen Pathologen problematisch sein. Ein hochspezifischer und sensitiver Marker für die Diagnose bösartiger Pleuramesotheliome steht bislang nicht zur Verfügung. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde die Wertigkeit wichtiger, derzeit als potentiell relevant diskutierter Marker für die differentialdiagnostische Abgrenzung von Pleuramesotheliomen zu reaktiven Pleuraläsionen einerseits und sekundären bösartigen Pleuratumoren andererseits untersucht. Im einzelnen wurden immunhistochemische Untersuchungen zur Expression des Calcium-bindenden Proteins Calretinin und zur Akkumulation des Tumorsuppressorgenprodukts P53 sowie molekularpathologische Untersuchungen zum Nachweis einer SV 40-Infektion und zur Bestimmung von Veränderungen im Genom unter Einsatz der komparativen genomischen Hybridisierung an Gewebsproben von Pleuramesotheliomen, sekundären Pleuratumoren und reaktiven Pleuraläsionen durchgeführt. Die untersuchten Marker wiesen dabei in Bezug auf ihre Wertigkeit bei der Differentialdiagnose pleural lokalisierter Tumoren unterschiedliche, teilweise nur bedingt geeignete Sensitivitäten und Spezifitäten auf. Die Calretinin-Immunreaktion stellt für die Differentialdiagnose von primären und sekundären Pleuratumoren mit epitheloider Differenzierung einen sehr sensitiven und spezifischen Marker dar. Für keinen anderen, an einem größeren Kollektiv untersuchten Marker konnte eine vergleichbar hohe Sensitivität und Spezifität belegt werden. Für sarkomatoide Pleuramesotheliome erreicht Calretinin - bei hoher Spezifität für die Abgrenzung gegenüber Pleurasarkomatosen - aber eine niedrigere Sensitivität. Hier muss die Calretinin-Immunreaktion um ein Panel weiterer bewährter Antikörper ergänzt werden. Die Wertigkeit des immunhistochemischen Nachweises einer Akkumulation des P53-Tumorsuppressorgenprodukts muss bei der Abgrenzung zu reaktiven Pleuraläsionen und Pleurakarzinosen differenziert bewertet werden. Die Möglichkeit des Nachweises in Pleuramesotheliomen, pulmonalen Adenokarzinomen und in benignen Pleuraläsionen macht die P53-Akkumulation zu einem nur wenig geeigneten Marker. Im Einzelfall kann der Nachweis auf Grund des Reaktionsmusters aber einen ergänzenden Beitrag bei der Differentialdiagnose benigner und maligner Pleuraläsionen liefern. Der Nachweis von SV 40 TAg-Genfragmenten kann bei der Differentialdiagnose von Pleuramesotheliomen und Pleurakarzinosen bösartiger Lungentumoren im Einzelfall richtungsweisend sein. Für die Differentialdiagnose von reaktiven Pleuraläsionen und Pleuramesotheliomen erlangt der Nachweis keine diagnostische Bedeutung. Im Vergleich zu immunhistochemischen Untersuchungen mit einem Antikörperpanel besitzt der SV 40-Nachweis - bei vergleichbar guter Spezifität - eine deutlich geringere Sensitivität. Die mit der komparativen genomischen Hybridisierung (CGH) nachweisbaren chromosomalen Defekte sind für Mesotheliome wenig spezifisch. Die Methode ist auch nur bedingt sensitiv. Für die Differentialdiagnose pleural lokalisierter Tumoren stellt die CGH eine im Einzelfall wenig geeignete Methode dar. Auch für die Differentialdiagnose benigner und maligner pleuraler Prozesse ist die CGH nur bedingt geeignet. Zusammenfassend hat sich im Rahmen der vorliegenden Untersuchungen der immunhistochemische Nachweis der Calretinin-Expression als Marker mit höchster Sensisitivität und Spezifität erwiesen. Bei der pathologisch-anatomischen Begutachtung von Gewebsproben unter der Fragestellung eines Pleuramesothelioms sollte die Calretinin-Immunreaktion daher unbedingt durchgeführt werden. Letztendlich stellt für die Differentialdiagnose pleural lokalisierter Tumoren aber die Erfahrung des Untersuchers das entscheidende Kriterium bei der Auswahl geeigneter Zusatzuntersuchungen und bei der abschließenden diagnostischen Bewertung aller verfügbaren histomorphologischen, histochemischen, immunhistochemischen, staubanalytischen und letztendlich auch klinisch-radiologischen Befunde dar.