Wasem, Jürgen; Aidelsburger, P.; Grabein, K.; Huber, A.; Hertlein, H.:

Die elastisch stabile intramedulläre Nagelung bei instabilen kindlichen Unterarmschaftfrakturen.

In: Health Technology Assessment
Düsseldorf, Köln: German Medical Science (2006)
ISBN: 1861-8863
Buchaufsatz / Kapitel / Fach: Wirtschaftswissenschaften
Abstract:
Hintergrund Unterarmfrakturen zählen mit ca. 23% zu den häufigsten Frakturformen bei Kindern. Liegt eine Diskontinuität beider Unterarmknochen im mittleren Drittel vor, spricht man von einer Unterarmschaftfraktur. Für die Behandlung von Unterarmschaftfrakturen bei Kindern stehen im wesentlichem zwei Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Dies ist zum einen die konservative Behandlung durch Reposition und Gips, zum anderen die elastisch stabile intramedulläre Nagelung (ESIN). Entscheidende Voraussetzung für die Therapiewahl ist die Einschätzung, ob es sich um eine stabile oder instabile Fraktur handelt. Da die Reposition und Gipsretention in der Ambulanz oder im Operationssaal durchgeführt werden kann, stehen drei verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung instabiler Frakturen zur Auswahl: Reposition und Gipsretention durchgeführt in der Ambulanz Reposition und Gipsretention durchgeführt im Operationssaal (um in gleicher Narkose auf ein operatives Verfahren oder ESIN umsteigen zu können) oder primäre Behandlung mit ESIN im Operationssaal. Ziele Für diese drei Behandlungsstrategien bei instabilen Unterarmschaftfrakturen soll für diesen Health Technology Assessment (HTA)-Bericht eine systematische Darstellung der Effektivität im Hinblick auf die internationale Datenlage durchgeführt werden. Besonders wichtig erscheint dabei die Bewertung hinsichtlich objektiver Parameter wie radiologisch nachgewiesener Achsknicke, Bewegungseinschränkungen und Anzahl nötiger Repositionen als auch subjektiver Parameter wie Beeinträchtigungen im täglichen Leben. Weiterhin soll neben der medizinischen Effektivität auch eine gesundheitsökonomische Bewertung erfolgen, die sich auf die Kosten der unterschiedlichen Vorgehensweisen beziehen soll. Methoden Zur Erschließung des Datenmaterials wurde eine systematische Literaturrecherche in den gängigen medizinischen und ökonomischen Literaturdatenbanken sowie HTA-Datenbanken und der Cochrane Datenbank durchgeführt. Ergebnisse Im vorliegenden HTA-Bericht konnten drei Kohortenstudien und sieben Fallserien identifiziert werden. Kontrollierte, klinische Studien, systematische Übersichtsarbeiten bzw. HTA-Berichte mit Inhalten für die Beantwortung der Fragestellung dieses HTA-Berichts wurden nicht identifiziert. Die identifizierten Studien unterschieden sich teilweise bezüglich der Indikationsstellung, der Studienpopulation und der Behandlungsstrategien, so dass ein Vergleich der Ergebnisse nur bedingt erfolgen konnte. In der Mehrzahl der Fälle berichteten die Publikationen über eine erfolgreiche Konsolidierung der Fraktur durch ESIN als primäre Intervention. In den drei Kohortenstudien gab es keine Unterschiede von auftretenden Bewegungseinschränkungen bei mit ESIN behandelten gegenüber konservativ behandelten Patienten. Publikationen, die sich mit gesundheitsökonomischen Aspekten der ESIN bei instabilen kindlichen Unterarmschaftfrakturen auseinandersetzen, konnten in der Literaturrecherche nicht identifiziert werden. In einer eigenen Kostenerhebung zu direkten medizinischen Kosten verschiedener Behandlungsstrategien konnte gezeigt werden, dass im Vergleich der drei Behandlungsstrategien bei komplikationslosem Verlauf, die Durchführung einer ESIN zur Therapie instabiler kindlicher Unterarmschaftfrakturen sowohl bei ambulanter als auch bei stationärer Leistungserbringung mit höheren Kosten verbunden ist. Schlussfolgerungen Nach der gegenwärtigen Studienlage gibt es nur wenig Evidenz für die Überlegenheit von einer ESIN bei kindlichen Unterarmschaftfrakturen gegenüber der konservativen Therapie. Bei der Durchführung der Therapie werden durch ESIN unter Annahme eines komplikationslosen Verlaufs sowohl bei ambulanter als auch bei stationärer Leistungserbringung mehr Kosten verursacht als bei konservativer Therapie. Da jedoch bei konservativer Behandlung oft keine Stabilisierung der Fraktur erreicht wird, werden hierdurch weitere Interventionen notwendig, die eine Belastung für den Patienten darstellen und kostenintensiver sind.