Wasem, Jürgen; Hessel, Franz; Grill, E.; Schnell-Inderst, Petra; Kunze, S.; Nickisch, A.; von Voß, H.:

Economic evaluation of newborn hearing screening: Modelling of costs and outcomes.

In: 5th International Conference: Strategic Issues in Health Care.11.-14.4.2002, St.Andrews, UK
Düsseldorf, Köln: German Medical Science (2003)
ISBN: 1612-3174
Buchaufsatz / Kapitel / Fach: Wirtschaftswissenschaften
Abstract:
Einleitung: Die Prävalenz von Hörstörungen bei Neugeborenen beträgt 1-3 pro 1000 Neugeborene. Entscheidend für die spätere Entwicklung der betroffenen Kinder sind möglichst frühzeitige Diagnose und Therapie. Mit BERA und TEOAE stehen risikoarme Methoden zur Frühentdeckung zur Verfügung. Obwohl ein universelles Screening empfohlen wird, wurde es in den meisten europäischen Ländern bisher nicht verwirklicht.Ziel des Projektes war es, die wissenschaftliche Evidenz von Neugeborenen-Hörscreening zu untersuchen und die medizinischen Folgen sowie die Kosten verschiedener Programme zu vergleichen. Dabei wurden die drei verschiedenen Screening-Strategien universelles Screening (U), Risiko-Screening (R) und kein systematisches Screening (N) verglichen.Methoden: In einem interdisziplinären Health Technology Assessment Projekt wurden alle relevanten, im Rahmen einer standardisierten ausführlichen Literaturrecherche identifizierten Studien zu Neugeborenen-Hörscreening eingeschlossen und die Ergebnisse zur medizinischen Wirksamkeit, zu Kosten und zur Kosteneffektivität extrahiert. Um die Kosteneffektivität verschiedener Strategien abzuschätzen, wurde ein Markov Modell entwickelt.Ergebnisse: Aus 20 von insgesamt 39 Studien wurden ökonomische Daten ausgewertet. Im Modell wurden Gesamtkosten für eine Kohorte von 100.000 Neugeborenen in Höhe von 2,0 Mio.Euro für ein universelles Screening, von 1,0 Mio.Euro für Risiko-Screening und 0,6 Mio.Euro für die Situation ohne systematisches Screening kalkuliert. Die Kosten pro entdecktem Fall betrugen 13.395Euro (U), 6.715Euro (R) bzw. 4.125Euro (N). Bis zum Alter von 6 Monaten wurden 72% (U), 43% (R) bzw. 13% (N) der Fälle entdeckt.Schlussfolgerung: Es wurde eine bemerkenswert geringe Anzahl gesundheitsökonomischer Studien von überwiegend mangelhafter methodischer Qualität gefunden. Unser Modell konnte eine akzeptable Kosteneffektivitäts-Relation auch für eine universelle Hörscreening-Strategie zeigen, so dass in Anbetracht der höheren Zahl rechtzeitig entdeckter Fälle auch aus ökonomischen Gesichtspunkten die Empfehlung für ein universelles Screening auf konnatale Hörstörungen ausgesprochen wird.

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