Cagnolati, Steffen:

Geldpolitik und Wechselkursregime in Makroökonomischen Zinsstrukturmodellen : Empirische Evidenzen für die Bundesrepublik Deutschland

Duisburg, Essen (2012), VI, 199 Bl. : graph. Darst.
Dissertation / Fach: Wirtschaftswissenschaften
Mercator School of Management - Fakultät für Betriebswirtschaftslehre
Duisburg, Essen, Univ., Diss., 2012
Abstract:
Unter dem Oberbegriff „Macro Finance“ verknüpfen neuere Verfahren zur Modellierung der Zinsstruktur die Ansätze der empirischen Makroökonomik und der finanzwirtschaftlichen Asset Pricing Theorie. Während das kurze Ende der Zinsstruktur geldpolitisch im Sinne einer Reaktionsfunktion modelliert wird, bildet sich das lange Ende in Abhängigkeit von privaten Inflationserwartungen sowie den aus volkswirtschaftlicher Unsicherheit entstehenden Risikoprämien. Der Laufzeitstruktur der Zinsen zugrunde liegt dabei in der Regel das Konzept der Arbitragefreiheit. Im Anschluss an eine umfassende Würdigung modelltheoretischer Aspekte wendet die vorliegende Dissertation den Analyserahmen eines makroökonomischen Zinsstrukturmodells auf das Regime der Deutschen Bundesbank in der Phase des Europäischen Währungssystems (EWS) an. Dabei wird die aus dem Einfluss der US-amerikanischen Geldpolitik sowie der formalen Interventionsverpflichtung im EWS bestehende duale Wechselkursbeschränkung der Bundesbank gemeinsam mit nationalen Determinanten der Geldpolitik modelliert. Der Ansatz ermöglicht eine differenzierte Analyse des währungspolitischen Einflusses auf die geldpolitische Autonomie der Bundesbank sowie der diesbezüglichen privaten Erwartungsbildung und Risikobewertung. Vor dem Hintergrund der „German Dominance Hypothesis“ wird erörtert, ob Glaubwürdigkeitsprobleme hinsichtlich des EWS-Regimes (a) eine Rolle in der Reaktionsfunktion der Bundesbank gespielt haben, (b) zu erhöhten Inflationserwartungen in Deutschland geführt haben, und (c) geldpolitische Unsicherheit erzeugt haben, welche sich in erhöhten Risikoprämien niedergeschlagen hat. Weitere Aspekte der Untersuchung sind mögliche Fehlspezifikationen in nationalen Modellen der deutschen Volkswirtschaft sowie wesentliche Unterschiede in der gemeinsamen Dynamik von Makroökonomie und Zinsstruktur zwischen Deutschland und den USA.