Eswein, Mikiko:

Erziehung zwischen Konfuzianismus und Bismarck

Duisburg: Inst. für Ostasienwiss. (1996) (Duisburger Arbeitspapiere Ostasienwissenschaften ; 10), 23 S.
Buch / Monographie / Fach: Ostasienwissenschaften
Abstract:
Da ich das Bildungswesen im gesellschaftlichen Kontext darstellen möchte, wende ich bei der Beschreibung des japanischen Bildungssystems einen Raster an, der sich an die funktionalistische Systemtheorie von Talcott PARSONS anlehnt und in Deutschland vor allem von Helmut FEND und Volker LENHART weiter erarbeitet wurde. Diese Theorie geht davon aus, daß die Erziehung bzw. die Schule (also die Erziehung in der Moderne) gegenüber den vier gesellschaftlichen Teilbereichen Wirtschaft, Politik, gesellschaftliche Gemeinschaft und Kultur, die sich erst in der Moderne voll ausdifferenziert haben, entsprechend vier Funktionen hat, nämlich die Qualifikationsfunktion, die Legitimationsfunktion, die Selektions- bzw. Allokationsfunktion und die Interpretationsfunktion. Erstens vermittelt die Schule neuen Gesellschaftsmitgliedern die Qualifikation, die das Wirtschaftssystem benötigt. Zweitens vermittelt sie ihnen die Werte und Einstellungen, die in der Gesellschaft vorherrschen, damit sich möglichst viele Bürger an den gesellschaftlichen Aktivitäten beteiligen und so den Staat mittragen können. Dadurch wird die Gesellschaft stabilisiert. Drittens übernimmt die Schule die Zuweisung sozialer Positionen an neue Gesellschaftsmitglieder. In der vormodernen Gesellschaft wurden diese noch durch die Geburt bestimmt. Viertens vermittelt die Schule neuen Gesellschaftsmitgliedern die Fähigkeit, die eigene Kultur weiterzupflegen und diese wieder neu zu interpretieren.

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