Multimeier, Jan; Brand, Matthias:

Die Rolle von Kontrollüberzeugungen und Kontrollillusion bei Entscheidungen in riskanten Situationen

In: Beiträge zur 50. Tagung Experimentell Arbeitender Psychologen : 3. bis 5. März 2008 in Marburg / Khader, Patrick (Hrsg.)
Lengerich [u.a.]: Pabst Science Publ. (2008), S. 262
ISBN: 978-3-89967-457-6
Buchaufsatz / Kapitel / Fach: Angewandte Kognitionswissenschaften
Fakultät für Ingenieurwissenschaften » Informatik und Angewandte Kognitionswissenschaft
Abstract:
In der bisherigen neuropsychologischen Forschung zum Entscheidungsverhalten wurde zwischen Entscheidungen unter Ambiguitäts- und Risikobedingungen unterschieden (Brand et al. 2007). Bei Entscheidungen in ambivalenten Situationen sind keine Informationen über die möglichen Konsequenzen verfügbar. Daher muss die Rückmeldung aus vorherigen Entscheidungssituationen genutzt werden, um eine vorteilhafte Entscheidungsstrategie herauszubilden und sich adaptiv zu verhalten. In Risikosituationen hingegen lassen sich die möglichen Konsequenzen und deren Auftretenswahrscheinlichkeit einschätzen (Brand et al. 2004). Die Game of Dice Task (Brand, Fujiwara et al. 2005) wurde entwickelt, und Entscheidungen unter Risikobedingungen abzubilden. In dieser Aufgabe wetten die Versuchspersonen fiktives Geld auf das Ergebnis eines Würfelwurfs, indem sie eine von mehreren Alternativen wählen, die sich hinsichtlich Gewinnwahrscheinlichkeit und Gewinn- bzw. Verlusthöhe unterscheiden. Gewinnwahrscheinlichkeit und -höhe sind dabei reziprok verknüpft, so dass ein Konflikt zwischen hohen, aber unwahrscheinlichen, und geringen, aber wahrscheinlichen Gewinnen entsteht. Um eine vorteilhafte Entscheidungsstrategie zu entwickeln, scheinen sowohl exekutive Funktionen, z.B. die Kategorisierung von Optionen hinsichtlich ihrer Gewinnwahrscheinlichkeit, sowie die Verarbeitung von Rückmeldung vorheriger Entscheidungen wichtig zu sein. Bei verschiedenen neurologischen und psychiatrischen Patientengruppen ließen sich schlechtere Leistungen im Vergleich zu Hirngesunden feststellen (z.B. Brand et al. 2004, Brand, Fujiwara et al. 2005, Brand, Kalbe et al. 2005). Unter einigen Bedingungen werden jedoch Zufallsereignisse als kontrollierbar angesehen (Langer et al. 1975). Diese Kontrollillusion wurde mit mehr riskanten Entscheidungen in Zusammenhang gebracht (Strickland, Lewicki, & Katz 1966). Ziel der Diplomarbeit ist es, zu untersuchen, ob die wahrgenommene Kontrolle über die Game of Dice Task die Häufigkeit riskanter Entscheidungen moderiert. Dazu wird die Aufgabe in zwei Varianten durchgeführt. In der ersten Entscheiden sich die Probanden für eine Alternative und würfeln anschließend selbst. In der zweiten Variante sollen sich die Teilnehmer erst dann für eine Alternative entscheiden, nachdem bereits verdeckt vom Versuchsleiter gewürfelt wurde. Diese Manipulation soll dazu führen, dass die Versuchspersonen in der ersten Variante mehr Kontrolle über das Würfelergebnis wahrnehmen und sich häufiger riskant entscheiden. Zusätzlich werden den Teilnehmern Fragebögen zum Trait „Locus of Control“ (Maes 1995), zur Manipulationskontrolle, zu intuitiven Wahrscheinlichkeits- und Zufallskonzepten, sowie zu attributionalen Verzerrungen des Glücksspielergebnisses vorgelegt. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Probanden sich zwar hinsichtlich der wahrgenommenen Kontrolle in beiden Versionen der Game of Dice Task nicht unterscheiden, sich jedoch in der zweiten Variante häufiger riskant entschieden als in der ersten.

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