Perfektionismus und Entscheidungsverhalten in komplexen Situationen: Wie funktional sind persönliche Standards, leistungsbezogene Zweifel und Fehlersensibilität?

In: Beiträge zur 10. Arbeitstagung der Fachgruppe Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik / Schmitt, Manfred (Hrsg.)
Lengerich [u.a.]: Pabst Science Publ. (2009), S. 21
ISBN: 978-3-89967-587-0
Buchaufsatz / Kapitel / Fach: Angewandte Kognitionswissenschaften
Fakultät für Ingenieurwissenschaften » Informatik und Angewandte Kognitionswissenschaft
Abstract:
Entscheidungen zu treffen ist eine wichtige Alltagskompetenz. Gerade in komplexen
Situationen scheint ein Zusammenspiel kognitiver und emotiver Funktionen funktional für das
Treffen von vorteilhaften Entscheidungen zu sein. Inwieweit Persönlichkeitseigenschaften das
Entscheidungsverhalten beeinflussen ist bislang noch vergleichsweise wenig eruiert worden.
In dem Beitrag werden zwei Studien vorgestellt, die den potentiellen Zusammenhang
zwischen dem Entscheidungsverhalten in komplexen Situationen und verschiedenen
Perfektionismusfacetten untersucht haben. In Studie 1 (n=58 Probanden) korrelierte das
Entscheidungsverhalten in einer Glücksspielaufgabe (Game of Dice Task, GDT) signifikant
mit den Perfektionismusfacetten „leistungsbezogene Zweifel“ (r=.27) und „Fehlersensibilität“
(r=.33). In Studie 2 (n=50 Probanden) zeigte sich eine signifikante Korrelation zwischen der
Geschwindigkeit bei der Bearbeitung einer Simulationsaufgabe (Cabin Air Management
System, CAMS) und „persönlichen Standards“ (r=-.29). Die Ergebnisse geben Grund zur
Annahme, dass die Kernperfektionismusfacetten – die bei erhöhter Ausprägung im klinischen
Kontext zumeist als dysfunktional bezeichnet werden – in leistungsbezogenen Aufgaben
insofern funktional sein können, als dass sie mit einer besseren Bearbeitungsleistung kovariieren.