Deeg, Maria:

Management rheumatoider Arthritis in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung des Krankenversicherungsstatus

Duisburg, Essen (2012), XIII, 229 S.
Dissertation / Fach: Wirtschaftswissenschaften
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften » Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre » Medizinmanagement
Duisburg, Essen, Univ., Diss., 2012
Abstract:
Hintergrund: Bei der rheumatoiden Arthritis handelt es sich um eine Erkrankung, die für die Betroffenen mit einer hohen individuellen Krankheitslast einhergeht. Zahlreiche Studien und Daten der Versorgungsforschung weisen auf eine ausgeprägte Unterversorgung in der Behandlung der rheumatoiden Arthritis hin. Fragestellung: Im Rahmen dieser Arbeit wird zum einen unter einem Versorgungsforschungsaspekt die Leitlinienkonkordanz der Behandlung von Patienten mit rheumatoider Arthritis im Studienzentrum untersucht. Zudem wird untersucht, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Versicherungsstatus der Patienten und dem Gesundheitsstatus bzw. der Versorgung. Methodik: Im Rahmen einer retrospektiven nicht-interventionellen Beobachtungsstudie wurden aus einem Datensatz von insgesamt 2.000 Patienten 636 Patienten in die Studie eingeschlossen, die die relevanten Einschlusskriterien (u. a. Diagnose einer rheumatoiden Arthritis und ein Alter von mind. 18 Jahren) erfüllten, und von diesen 430 in die Verlaufsuntersuchung. Die Daten dieser Patienten wurden deskriptiv im Hinblick auf die Erfüllung von Therapiestandards untersucht. Im Rahmen multivariater Modelle wurden die Fragestellungen nach der Rolle des Versicherungsstatus untersucht. Ergebnisse: Die Behandlung in diesem Studienzentrum orientiert sich im Hinblick auf die Versorgung mit Arzneimitteln an den in Deutschland geltenden Therapiestandards. Über 90 % der Patienten werden innerhalb der ersten sechs Monate der Behandlung im Studienzentrum mit sogenannten krankheitsmodifizierenden Antirheumatika behandelt. Über 50 % der Patienten, die eine Steroid-Therapie erhalten, erhalten auch die wichtige Osteoporoseprophylaxe. Es fanden sich einige Indikatoren für eine im System bestehende Unterversorgung: Trotz einer Krankheitsdauer von durchschnittlich 5 Jahren waren nur 23 % der Patienten schon einmal fachärztlich behandelt worden bzw. nur 32 % der Patienten hatten in ihrer Erkrankungshistorie ein krankheitsmodifizierendes Medikament erhalten. Im Hinblick auf die Rolle des Krankenversicherungsstatus zeigte sich in der deskriptiven Analytik, dass privat Versicherte Patienten seltener von einem rheumatologischen Facharzt vorbehandelt waren und auch seltener krankheitsmodifizierende Arzneimittel erhalten haben. Privat Versicherte hatten jedoch einen höheren Anteil an der Verordnung innovativer Präparate (z. B. Cox-2 Inhibitoren und Biologika) im Verlauf der Behandlung im Studienzentrum. In den multivariaten Modellen konnten diese Zusammenhänge weitgehend bestätigt werden. Im Hinblick auf den Gesundheitsstatus zeigte sich in den patientenrelevanten Endpunkten Disease Activity Score (zur Messung der Krankheitsaktivität), Health Assessment Questionnaire (zur Messung der Funktionsfähigkeit) und Short-Form 36 (zur Messung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität) ein signifikanter Unterschied in der deskriptiven Statistik, der multivariat jedoch nicht belegt werden konnte. Schlussfolgerung: Die Behandlung von Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis im Studienzentrum war effektiv und orientiert sich an den relevanten Leitlinien. Privat Versicherte erhalten eher innovative Arzneimittel als gesetzlich versicherte Patienten. Weitere Studien sind notwendig, um zu untersuchen, welche Auswirkungen diese Unterschiede in der Versorgung auf die Patienten haben.

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