Erinnern und Vergessen – Neurobiologie und Psychologie von Lernen und Gedächtnis

In: Kirchliche Zeitgeschichte, (2009) ; Nr. 22, S. 32-48
ISSN: 0932-9951
Zeitschriftenaufsatz / Fach: Angewandte Kognitionswissenschaften
Fakultät für Ingenieurwissenschaften » Informatik und Angewandte Kognitionswissenschaft
Abstract:
Gedächtnis lässt sich nach beteiligten Prozessen, nach Zeit und nach inhaltlichen Kriterien unterteilen. Das Erinnern der eigenen Lebensgeschichte ist eine der wichtigsten und gleichzeitig eine der komplexesten Hirnfunktionen. Gedächtnisprozesse stellen die Grundlage für uns Menschen dar, mit unserer Umwelt entsprechend der an uns gestellten Erwartungen zu kommunizieren. Gleichzeitig entwickelt sich das Gedächtnis über die Lebensspanne durch die Interaktion mit dem Umfeld. Auf der Hirnebene werden vor allem limbische Strukturen und Teile des Stirnhirns mit unterschiedlichen Gedächtnisprozessen in Verbindung gebracht. Dies gilt insbesondere für das episodische Gedächtnis, dessen Inhalte emotional gefärbt sind und einen Bezug zum eigenen Selbst haben. Die Bedeutung dieser Strukturen für das episodische Gedächtnis lässt sich mittels moderner Hirnbildgebungsverfahren demonstrieren. Auch können wir viel von Patienten mit Gedächtnisstörungen über die Dynamik der Interaktion von Hirn und Gedächtnis lernen. Zusammengenommen weisen die bisherigen Erkenntnisse darauf hin, dass das Gedächtnis ein stabiles und zeitgleich höchst dynamisches System ist, das uns erlaubt, uns auf Grundlage bisheriger Erfahrungen in neuen Situationen zurechtzufinden.

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