Alles auf Betriebsebene regeln? Dezentralisierung der Tarifbeziehungen aus Sicht betrieblicher Akteure

In: WSI-Mitteilungen, (2010) ; Nr. 3, S. 126-134
ISSN: 0342-300X
Zeitschriftenaufsatz / Fach: Wirtschaftswissenschaften
Abstract:
Kritiker des deutschen Flächentarifvertragssystems fordern eine Abkehr von diesem zugunsten betrieblicher Verhandlungslösungen. Die Folgen einer solchen Verbetrieblichung hätten vor allem die Betriebe und deren Akteure zu tragen. Mittels telefonischer Interviews wurden 1.000 Personalverantwortliche und ebenso viele Betriebsräte aus denselben Betrieben zum Themenkomplex Verbetrieblichung befragt. Wir wollten wissen, wie die betrieblichen Akteure zur Verbetrieblichung stehen und welche Folgen sie mit einer Verlagerung der Verhandlungen auf die Betriebsebene verbinden. Weiterhin haben wir untersucht, wovon Unterschiede in der Wahrnehmung von Betrieb zu Betrieb abhängen. Die Befunde zeigen, dass Betriebsräte deutliche Gegner und Manager deutliche Befürworter der Verbetrieblichung sind. Beide Akteure stehen der Verbetrieblichung kritischer gegenüber, wenn der Betrieb an einen Flächentarifvertrag gebunden ist. Außerdem sehen vor allem Betriebsräte die Verbetrieblichung deutlich skeptischer, wenn der gewerkschaftliche Organisationsgrad hoch ist.