Vertrauen und Verbetrieblichungsneigung von Managern und Betriebsräten : Ergebnisse einer empirischen Erhebung (Teil 2)

In: Sozialer Fortschritt, Jg. 59 (2010) ; Nr. 9, S. 227-234
Zeitschriftenaufsatz / Fach: Wirtschaftswissenschaften
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften » Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre
Abstract:
Kritiker des Flächentarifvertragssystems fordern häufig eine Verlagerung der Verhandlungen über Löhne und andere Arbeitsbedingungen auf die Betriebsebene. Wollen dies aber auch die Akteure, die auf Betriebsebene die Verhandlungen führen müssten, und wovon hängt deren Verbetrieblichungsneigung ab? Wir untersuchen in 1000 Betrieben die Präferenz von Managern und Betriebsräten für eine solche “Verbetrieblichung” und fragen, ob die Vertrauensbeziehung zwischen Management und Betriebsrat einen Einfluss auf deren Verbetrieblichungsneigung hat. Unsere wichtigste Hypothese lautet, dass mit höherem Vertrauen die Bereitschaft steigt, auf betrieblicher Ebene zu verhandeln. Die Ergebnisse bestätigen diese Hypothese nur teilweise. Bei den Managern hat Vertrauen keinen statistisch signifikanten Effekt auf die Verbetrieblichungsneigung, wohl aber darauf, ob sie den Betriebsrat  – im Vergleich zu Gewerkschaften  – als Verhandlungspartner bevorzugen. Bei den Betriebsräten dagegen zeigen sich die erwarteten Wirkungen des Vertrauens. Eine Erklärung für die unterschiedlichen Befunde sehen wir darin, dass Betriebsräte machtunterlegen sind. Daher hat die soziale Beziehung und damit die Vertrauensbeziehung für sie eine viel stärkere Bedeutung als für das Management.