Berücksichtigung von Wechselwirkungen im morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich

Duisburg, Essen (2011), XII, 283 Bl.
Dissertation / Fach: Wirtschaftswissenschaften
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften » Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre » Medizinmanagement
Duisburg, Essen, Univ., Diss., 2011
Abstract:
Der Risikostrukturausgleich (RSA) ist eine der Säulen der solidarischen Wettbewerbsordnung der gesetzlichen Krankenversicherung. Ohne RSA hätten die Krankenkassen durch die nicht risikoäquivalenten Beiträge zur Krankenversicherung einen Anreiz zur Risikoselektion. Je zielgenauer der RSA funktioniert, desto besser sind die Voraussetzungen, dass der Wettbewerb seine positiven Wirkungen entfalten kann.
Über den RSA werden den Krankenkassen finanzielle Mittel aus dem Gesundheitsfonds für ihre Versicherten zugewiesen, deren Höhe unter anderem von dem Alter und Geschlecht sowie der Morbidität der Versicherten abhängen. Dabei sollen über das Verfahren den Krankenkassen prospektiv die Leistungsausgaben für schwerwiegende bzw. chronisch-kostenintensive Krankheiten der Versicherten ausgeglichen werden.
Das aktuelle Verfahren des RSA unterstellt Additivität der Leistungsausgaben und berücksichtigt demnach keine Wechselwirkungen zwischen Krankheiten und es lässt weiterhin (fast) keine Differenzierung der Ausgleichszahlungen nach Alter oder Geschlecht zu. Dabei liegen vielfältige Hinweise auf systematische Unterschiede in den Leistungsausgaben nach diesen Merkmalen vor. Diese Arbeit geht der Frage nach inwiefern das Ausgleichsverfahren durch die Berücksichtigung von Wechselwirkungen verbessert werden kann. Dazu wird zuerst das aktuelle RSA-Verfahren dargestellt und es werden Kriterien entwickelt, an Hand derer sich entscheiden lässt, welche Interaktionsterme im Einzelnen in die Analyse aufgenommen werden sollten. Vier Modelle werden präsentiert, in die jeweils Interaktionsvariablen zwischen dem Alter, dem Geschlecht, dem Erwerbsminderungsstatus auf der einen Seite und den Morbiditätsgruppen auf der anderen Seite bzw. Interaktionen zwischen den Morbiditätsgruppen selbst eingehen. In ein fünftes Modell fließen alle vorgenannten Interaktionen gemeinsam ein.
Es zeigt sich, dass die Berücksichtigung der Wechselwirkungen zu einer deutlichen Verbesserung der allgemeinen Anpassungsgüte des aktuellen RSA-Verfahrens führt.

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