Krankheitskosten der HIV-Infektion in Deutschland

Duisburg, Essen (2011), XII, 218 S.
Dissertation / Fach: Wirtschaftswissenschaften
Fakultät für Wirtschaftswissenschaften » Fachgebiet Betriebswirtschaftslehre » Medizinmanagement
Duisburg, Essen, Univ., Diss., 2011
Abstract:
Hintergrund: Mit der Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie (ART) in den neunziger Jahren hat sich der Verlauf der HIV-Infektion deutlich geändert. Daher können sowohl die Letalität als auch die Morbidität durch die HIV-Infektion deutlich gesenkt werden. Die HIV-Infektion stellt nunmehr eine chronische Erkrankung mit lebenslangem Behandlungsbedarf dar. Die bisher veröffentlichen Daten zu den Krankheitskosten der HIV-Infektion in Deutschland sowohl aus gesellschaftlicher Perspektive als auch aus der Perspektive der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind sehr heterogen und wenig detailliert. Fragestellung: Ziel war es, die Krankheitskosten der HIV-Infektion in Deutschland anhand eines in HIV-Schwerpunktpraxen behandelten Patientenkollektivs empirisch zu erheben sowie die Determinanten der Krankheitskosten zu identifizieren und zu quantifizieren. Methoden: Es wurde eine 18-monatige prospektive, multizentrische, gesundheitsökonomische und klinische Evaluation durchgeführt. Zur Berechnung der Krankheitskosten wurde ein Preisgerüst für die gesellschaftliche Perspektive und die Sicht der GKV aufgestellt. Das Basisjahr war 2008. Zur Beantwortung der Frage nach den Determinanten der Krankheitskosten wurden vier lineare Regressionsmodelle aufgestellt. Die abhängigen Variablen stellten die Gesamtkosten aus gesellschaftlicher Sicht und aus Sicht der GKV dar. Folgende Variablen wurden als unabhängige Variablen mit in das Modell einbezogen: Geschlecht, CD4 Zellzahl, Alter in Jahren, acquired immunodeficiency syndrome (AIDS)-definierende Ereignisse, andere relevante Begleiterkrankungen, Therapieschiene, Übertragungsrisiko, Zeit seit der Erstdiagnose in Jahren, Zentren. Zur Validierung der Ergebnisse wurde ein nicht-parametrisches Bootstrapping durchgeführt. Ergebnisse: 518 Patienten aus 17 Zentren konnten in die Evaluation miteinbezogen werden. Die durchschnittlichen Gesamtkosten aus gesellschaftlicher Perspektive betrugen 23.300 € pro Patient pro Jahr. Die GKV musste im Durchschnitt für jeden Patienten 19.100 € aufbringen. Die HIV-Medikation hat einen Anteil an den Gesamtkosten von 80% (gesellschaftliche Perspektive) bzw. 89% (Perspektive der GKV). In den Regressionsmodellen lassen sich vier signifikante Determinanten der Krankheitskosten identifizieren: das weibliche Geschlecht, intravenöser Drogengebrauch als Übertragungsweg, eine geringe CD4- Zellzahl sowie der Erhalt keiner ART und der mehr als zweimalige Wechsel der ART. Weiterführend liegen signifikante Unterschiede in den Krankheitskosten zwischen den 17 Zentren vor, die insgesamt an der Studie beteiligt waren. Insgesamt können zwischen 27 und 31% der Krankheitskosten in den vier aufgestellten Modellen erklärt werden. Fazit: Die ermittelten HIV-Krankheitskosten stellen eine geeignete Datengrundlage für die Durchführung von vergleichenden gesundheitsökonomischen Evaluationen dar. Die Identifikation relevanter kostentreibender Determinanten im Rahmen der vorliegenden Studie kann überdies dazu genutzt werden, die potentiellen Krankheitskosten von bestimmten Patienten zu prognostizieren. Durch die Information darüber, welche Determinanten die Gesamtkosten in welcher Höhe beeinflussen, kann auch bei einer veränderten Zusammensetzung der zu betrachtenden Population eine Abschätzung über die Höhe der anfallenden Kosten erfolgen.

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