Schizophrenie im Angesicht des Leib-Seele-Problems: Eine Erörterung und Bewertung der bestehenden Lösungsansätze anhand auditiver Halluzinationen

In: Journal für Philosophie & Psychiatrie, Jg. 2 (2009) ; Nr. 1, S. ohne Seitenagabe
ISSN: 1869-8549
Zeitschriftenaufsatz / Fach: Psychologie
Fakultät für Bildungswissenschaften » Institut für Psychologie
Abstract:
Der vorliegende Text schlägt eine Brücke zwischen empirisch fundierter psychologisch-psychiatrischer Forschung und philosophischer Reflektion zum Leib-Seele-Problem. Dazu wählt er das Beispiel der vor allem in der Psychopathologie der Schizophrenie auftretenden auditiven Halluzinationen.
Die intuitiv plausiblen dualistischen Lösungskonzeptionen zum Leib-Seele-Problem erweisen sich sowohl im Hinblick auf ihre begrifflich-theoretische Stimmigkeit als auch im Hinblick auf die empirische Datenlage zur Schizophrenie als problematisch.
Einen vielversprechenden Ansatz stellt die monistische Konzeption der Identitätstheorie dar. Die wahrgenommene qualitative Verschiedenheit der sich in der psychischen und der neuronalen Dimension manifestierenden Phänomene liegt ihr zufolge nicht an der Verschiedenheit der Phänomene selbst, sondern an der unterschiedlichen Repräsentation ein und desselben Geschehens im Bewusstsein des Betrachters. Die Identitätstheorie widerspricht nicht der kausalen Geschlossenheitsannahme der physischen Welt bzw. dem Energieerhaltungssatz. Weiterhin konnte aufgezeigt werden, dass die in der Pathogenese der Schizophrenie vielfach postulierten Interaktionsprozesse zwischen psychischen und physischen Aspekten von der Identitätstheorie integriert werden können.
Auch der Funktionalismus weist eine Reihe an Vorzügen auf. So lassen sich mit Rückgriff auf funktionalistische Erklärungsansätze viele pathogenetische Facetten der Schizophrenie verständlich machen. Das Problem ist nur, dass sich der klassische Funktionalismus in Bezug auf die ontologische Dimension des Leib-Seele-Problems in Schweigen hüllt und die Beschaffenheit der konkret vorliegenden neuronalen Prozesse im schizophrenen Krankheitsgeschehen als nebensächlich angesehen wird.