Gräf, Jan Johannes:

Die posttraumatische Belastungsstörung im Kontext der Lebertransplantation

Duisburg, Essen (2010), 96 Bl.
Dissertation / Fach: Medizin
Medizinische Fakultät » Universitätsklinikum Essen » LVR-Klinikum Essen » Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Erim, Yesim (Doktorvater, Betreuerin)
Oades, Robert D. (GutachterIn)
Duisburg, Essen, Univ., Diss., 2011
Abstract:
Die posttraumatische Belastungsstörung im Kontext der Lebertransplantation
Die Lebertransplantation ist oft die einzig kurative Therapie bei einer Erkrankung, die zu einem Versagen der Leberfunktion führt. Diese Operation geht mit vielfältigen somatischen und psychischen Belastungen der Patienten vor und nach der Transplantation einher. Es ergibt sich die Frage, ob eine Transplantation ein traumatisches Ereignis darstellt und ob diese Erfahrung zu einer persistierenden psychischen Störung, der posttraumatischen Belastungsstörung (posttraumatische Belastungsstörung = PTBS, auf Englisch posttraumatic stress disorder = PTSD), führen kann.
Die Hauptthese dieser Studie ist: Patienten nach einer Lebertransplantation zeigen, bezogen auf die PTSD, ein vergleichbare psychische Reaktion wie Patienten nach einer Herztransplantation. Als weitere Hypothesen wurden angenommen, eine PTSD geht mit reduzierter Lebensqualität sowie erhöhter psychischer Symptombelastung einher. Die Ausprägung einer PTSD wird von soziodemographischen Faktoren, wie zum Beispiel dem Bildungsstand, beeinflusst. In einer ca. 18-monatigen Querschnittuntersuchung wurde die Prävalenz von PTSD nach einer Lebertransplantation untersucht. An der Studie nahmen 103 Patienten teil, die sich zur medizinischen Nachsorge in der Essener Transplantationsambulanz einfanden. Die eingesetzten psychometrischen Instrumente umfassten den Fragebogen zur Sozialen Unterstützung, das Essener Trauma-Inventar, das Brief Symptom Inventory und den Fragebogen zum Gesundheitszustand.
Ergebnisse:
Die Patienten gaben ihre traumatischen Erfahrungen im Rahmen der Lebertransplantation an. Fünf Patienten (4, 9%) zeigten eine vollausgeprägte PTSD, weitere 16 (15,5 %) eine partielle PTSD. Die PTSD-Prävalenz erwies sich als höher als die Norm, aber als niedriger als bei Patienten nach einer Herztransplantation.
Ein hoher PTSD-Score korreliert signifikant mit niedrigerer Lebensqualität und hoher psychischer Symptombelastung, aber nicht mit der Höhe des Bildungsstand
Das am häufigsten genannte traumatische Erleben war bei ca. 80% der PTSD-Patienten die Diagnosemitteilung.
Zwei Schlussfolgerungen sind aus vorliegender Studie zu ziehen: Eine psychosoziale Nachsorge für Patienten muss angeboten werden; Ärzte müssen in empathischer Gesprächsführung geschult werden.