Bachl, Annelore:

Keiner baut ein Haus allein - Kooperation zwischen Selbsthilfe-Initiativen und Professionellen im gesundheitlichen Versorgungssystem.

In: Ressourcen. Ein Hand- und Lesebuch zur therapeutischen Arbeit. / Schemmel, Heike; Schaller, Johannes (Hrsg.)
Tübingen: DGVT-Verl. (2003), S. 231-258
ISBN: 3-87159-041-X, 978-3-87159-041-2
Buchaufsatz / Kapitel / Fach: Psychologie
Fakultät für Bildungswissenschaften » Institut für Psychologie
Abstract:
Ausgehend von einem Ueberblick ueber den Stand der Forschung zur Kooperation zwischen gesundheitsbezogenen Selbsthilfe-Initiativen (SHI) und Aerzten als professionellen Helfern werden die Ergebnisse einer qualitativen Studie, in der die Erfahrungen der verschiedenen Beteiligten mit der Zusammenarbeit sowie foerderliche und hemmende Faktoren einer Kooperation untersucht wurden, berichtet. Auf der Basis der "grounded theory" wurden vier Fokus-Gruppen-Diskussionen mit insgesamt 13 SHI-Vertretern und 24 Professionellen durchgefuehrt. Folgende Leitmotive, die die Kooperation praegten, wurden gefunden: (1) Unterstuetzung (SHI als "unsichere Opfer" suchen Unterstuetzung bei den "starken Professionellen" etwa in Form von Beratung), (2) Synergie (dichte, vielfaeltige Kooperation; selbstsichere SHI und Professionelle, die sich gegenseitig wertschaetzen), (3) Konkurrenz (traditionelle aerztliche Definitionsmacht steht im Widerspruch zum Anspruch der SHI), (4) Paternalismus (Professionelle dominieren, aber "beschuetzen" die SHI). Unterschiedliche Formen der Beziehungsqualitaet (gegenseitige Anerkennung und Wertschaetzung, gegenseitige Abwehr, mangelndes Wissen voneinander und uebereinander) werden differenziert und im Hinblick auf die Kooperationserfahrungen thematisiert. Als Bedingungen fuer eine gelingende Kooperation werden eine gesicherte Wissens- und Informationsbasis, die wechselseitige Anerkennung und Reziprozitaet von Fach- und Erfahrungskompetenz und der Mut zum Risiko herausgearbeitet.