Praevention. Fortschrittmythos, Allmachtsphantasien, Gefahren und realistische Ansatzpunkte.

In: Psychosoziale Praxis - gemeindepsychologische Perspektiven. Ein Handbuch in Schluesselbegriffen / Keupp, Heiner; Rerrich, Doro (Hrsg.)
München [u.a.]: Urban & Schwarzenberg (1982), S. 131-139
ISBN: 3-541-10321-3
Buchaufsatz / Kapitel / Fach: Psychologie
Fakultät für Bildungswissenschaften » Institut für Psychologie
Abstract:
Eine kritische Analyse des Konzepts Praevention wird vorgelegt. Einleitend wird auf die inhaltliche Vielfalt dessen, was man unter dem Praeventionsbegriff zu fassen versucht, eingegangen. Eine dimensionale Einteilung des Komplexes "Praevention" von H. Ernst wird vorgestellt. Es wird betont, dass es in den Arbeiten ueber Praevention zwar nie an verbalen Beteuerungen der Notwendigkeit systemorientierter Praevention fehle, dass man sich aber in der Praxis eher auf die individuum-zentrierte Vermittlung sozialer Kompetenzen beschraenke. Gefahren und Allmachtsphantasien, die im neuen "Heilsbringer" Praevention enthalten sind, werden kritisch eroertert. Dabei wird eine Gefahr besonders hervorgehoben: dass man durch psychologische oder verwaltungstechnische Massnahmen vorhandene gesellschaftliche Probleme quasi "von oben" zudeckt und mit Hilfe praeventiver Massnahmen eine verfeinerte soziale Kontrolle - mit weitgehend unsichtbaren Zwangs- und Kontrollinstrumenten - einrichtet. Abschliessend wird diskutiert, unter welchen Voraussetzungen sich praeventive Arbeit dennoch sinnvoll gestalten laesst. Dabei werden folgende Forderungen aufgestellt: Verstaerkung der "oekologischen Perspektive"; Einbeziehung oekonomischer, sozialpolitischer und gesellschaftspolitischer Aspekte; Aufloesung der "Experten"- und "Betroffenen"-Rolle zugunsten der gemeinsamen Arbeit an Problemen.