Debus, Günter; Leutner, Detlev; Brünken, Roland; Skottke, Eva-Maria; Biermann, Antje (Hrsg.) :

Wirkungsanalyse und Bewertung der neuen Regelungen im Rahmen der Fahrerlaubnis auf Probe

/ Debus, Günter; Leutner, Detlev; Brünken, Roland; Skottke, Eva-Maria; Biermann, Antje (Hrsg.)
Bremerhaven: Wirtschaftsverl. NW, Verl. für neue Wissenschaft (2008) (Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen : M, Mensch und Sicherheit ; 194), 111 S. : Ill., graph. Darst. ; 295 mm x 210 mm, 355 gr.
ISBN: 978-3-86509-817-7
Buch / Monographie / Fach: Psychologie
Fakultät für Bildungswissenschaften
Zsfass. in dt. u. engl. Sprache
Abstract:
Mit den Regelungen der Fahrerlaubnis auf Probe wurde 1986 in Deutschland ein umfassender Massnahmenansatz zur Absenkung des Unfallrisikos junger Fahranfaenger- und Fahranfaengerinnen eingefuehrt. Die Regelungen wurden mit der Aenderung des Strassenverkehrsgesetzes zum 1. Januar 1999 verschaerft. In einem BASt-Projekt wurden die neuen Regelungen hinsichtlich ihrer Wirkung analysiert und bewertet. Ziel des vorliegenden Projektes war es, zusaetzlich zu Erkenntnissen ueber die globale Wirkungsweise im Sinne einer Unfallreduktion durch die veraenderten Regelungen Verstaendnis ueber die internen Funktionen und die Wirkungsweise der Massnahme sowie ueber international bewaehrte Massnahmenansaetze fuer junge Fahranfaenger zu gewinnen. Daraus sollten Vorschlaege fuer eine Optimierung der Fahrerlaubnis auf Probe-Regelungen erarbeitet werden, um das vorhandene Sicherheitspotenzial auszuschoepfen. Fuer eine Ueberpruefung der globalen Wirkungsweise wurden in einer ersten Studie (Pilotstudie) polizeiliche Unfalldaten junger Fahrer vor und nach Verschaerfung der Massnahme auf einen Unfall senkenden Effekt hin untersucht. In einer zweiten Studie wurde geprueft, inwieweit die Regelungen der Fahrerlaubnis auf Probe bei den Fahranfaengem kognitiv repraesentiert sind und ob sie zur Handlungsregulation beitragen. Die laengsschnittlich angelegte Hauptstudie diente dazu, die Wirkung der einzelnen Massnahmen der neuen Fahrerlaubnis auf Probe im Rahmen eines Vorhersagemodells zu beschreiben, welches die Regelungen im Zusammenhang mit weiteren massgeblichen Unfall verursachenden Faktoren hinsichtlich ihres Einflusses und ihrer Vorhersageleistung zeitlich zurueckliegender sowie zukuenftiger Unfaelle ueberprueft. In der ersten Studie gelang es nicht, durch einen Vergleich polizeilicher Unfalldaten junger Fahrer vor und nach 1999 einen positiven Effekt im Sinne einer Reduktion der Anzahl der von jugendlichen Fahrern verursachten Unfaelle nachzuweisen, ein globaler Effekt der Massnahmenverschaerfung ist somit nicht gegeben. Das Wissen junger Fahrer ueber die Fahrerlaubnis auf Probe-Regelungen scheint marginal zu sein, weiterhin dient es nicht zu einer Verhaltensregulierung im erwuenschten Sinne, wie die Ergebnisse der Pilotstudie zeigen. Die Laengsschnittstudie mit ca. 1.000 Schuelerinnen und Schuelern in der Probezeit zur Ueberpruefung des Vorhersagemodells zeigte, dass massnahmenspezifische Faktoren kaum einen Beitrag zur Unfallvorhersage leisten. Die Daten deuten vielmehr darauf hin, dass sowohl Expertise- als auch Persoenlichkeitsfaktoren Varianz hinsichtlich selbst berichteter Unfaelle und Beinahe-Unfaelle aufklaeren koennen. Bei Unfaellen gilt dies jedoch nur retrospektiv, nicht prospektiv. Es wird diskutiert, inwieweit die Regelungen der Massnahme Fahrerlaubnis auf Probe auf der Grundlage der vorliegenden Ergebnisse optimiert werden koennen und inwieweit Massnahmen, die eine Ausdehnung der Lernzeit unter protektiven Bedingungen anstreben, Potenzial haben, das Unfallrisiko zu senken.