Das gleitende Testfenster als Loesung des Testlaengendilemmas: Eine Robustheitsstudie.

In: Zeitschrift fuer Paedagogische Psychologie, Jg. 7 (1993) ; Nr. 1, S. 33-45
ISSN: 1010-0652
Zeitschriftenaufsatz / Fach: Psychologie
Fakultät für Bildungswissenschaften
Abstract:
Ein methodischer Ansatz zur Loesung des Testlaengendilemmas wird ueberprueft. Unter der Annahme, dass beim Bearbeiten von Testaufgaben weiteres Wissen erworben wird, ist die lernprozessbegleitende Wissensdiagnostik einem Dilemma zwischen Aktualitaet und Zuverlaessigkeit ausgesetzt: Einerseits sollten moeglichst wenige der zuletzt bearbeiteten Aufgaben herangezogen werden, um eine moeglichst aktuelle und - konstante Reliabilitaet vorausgesetzt - gueltige Schaetzung des augenblicklichen Wissenstandes des Lernenden zu erreichen. Andererseits sollten aber moeglichst viele Aufgaben verwendet werden, um eine moeglichst - Invarianz des Wissensstandes vorausgesetzt - zuverlaessige Wissensdiagnose zu erzielen. Das Dilemma wurde als Testlaengendilemma bezeichnet. Es ist besonders deutlich, wenn die jeweils zuletzt bearbeiteten Uebungsaufgaben (gleitendes Testfenster) genutzt werden, was besonders zeit- und aufwandsparend waere. Anhand einer 2x3-faktoriellen Robustheitsstudie mit 180 Studierenden als Versuchspersonen wurde der Einfluss der Testlaenge (sequentieller Test versus 5 Items versus 10 Items) und der Aufgabenart (Testaufgabe versus Uebungsaufgabe im gleitenden Testfenster) auf die Effektivitaet und die Effizienz lernprozessbegleitender Wissensdiagnostik bei zwei unterschiedlich schwierigen Lehrstoffen untersucht. Aufgrund der Ergebnisse kann das gleitende Testfenster mit einer sequentiell bestimmten Testlaenge als schnelles und zugleich zuverlaessiges und gueltiges Diagnoseverfahren empfohlen werden. In der abschliessenden Diskussion wird unter anderem auf die Generalisierbarkeit der Ergebnisse und auf deren Anwendungsmoeglichkeiten bei "Intelligenten Tutoriellen Systemen" eingegangen.

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