Roth, Marcus; Hillig, Axel:

CAMDEX. The Cambridge Examination for Mental Disorders of the Elderly. Deutsche Ausgabe [Testkassette mit Handbuch, Bildmaterial und Auswertungsboegen].

Heidelberg: Dexter (1994), 76 S. : Ill., graph. Darst. ; 31 cm + Beil. in Mappe
ISBN: 3-929224-02-X
Buch / Monographie / Fach: Psychologie
Fakultät für Bildungswissenschaften » Institut für Psychologie
Beil.: [27] Bl. : nur Ill., Auswertungsbogen 16 S. : Ill.
Abstract:
Diagnostische Zielsetzung:
CAMDEX stellt ein komplexes, standardisiertes Instrument zur Diagnostik der haeufigsten Demenzformen dar. Es ermoeglicht insbesondere exakte klinische Diagnosen der Alzheimerschen und der vaskulaeren Demenz und deren Mischformen sowie sekundaerer Demenzen infolge koerperlicher Erkrankungen. Der Differentialdiagnostik zu organischen wie funktionalen psychischen Stoerungen wird durch den Einbezug von koerperlicher Untersuchung und Laborbefunden Rechnung getragen.

Aufbau:
CAMDEX besteht aus den folgenden acht Bereichen:
A. Strukturiertes Interview mit Patient/Patientin (einleitende Fragen nach Alter, Geschlecht und Geburtsdatum; Teil I des Interviews: "Aktuelles Befinden"; Teil II: Individualanamnese; Teil III: Familienanamnese; insgesamt 106 Items).
B. Pruefung kognitiver Faehigkeiten mit Items verschiedener herkoemmlicher Instrumente (Mini Mental State Examination; Information Memory Concentration Test; Dementia Scale; Cambridge Cognitive Examination, CAMCOG; insgesamt 67 Items).
C. Beobachtungen beim Interview (Auftreten, Verhalten, Stimmung, Sprache, psychische Verlangsamung bzw. Hyperaktivitaet, Krankheitseinsicht, Denkprozesse, Bewusstseinsebene sowie ungewoehnliche Verhaltensweisen; 25 Items).
D. Koerperliche Untersuchung.
E. Zusatzbefunde: Laborbefunde und radiologische Befunde.
F. Dauermedikation.
G. Zusatzbemerkungen.
H. Strukturiertes Interview mit Informant bzw. Informantin ("Vorgeschichte der aktuellen Stoerung", Familien- und Individualanamnese; 98 Items).
Die Diagnosenstellung kann nach CAMDEX-eigenen operationalen Diagnosekriterien erfolgen oder nach DSM-III-R- bzw. ICD-10-Kriterien.

Grundlagen und Konstruktion:
Bei der Konzeption des Verfahrens stand die Verfeinerung bestehender klinisch-diagnostischer Kriterien im Vordergrund. Neben der Standardisierung der klinischen Untersuchung psychisch beeintraechtigter aelterer Patienten sollten dementielle Prozesse besser operationalisiert werden. Die Originalversion von Roth und Mitarbeitern (1988) basiert auf empirischen Studien zu senilen und praesenilen Demenzen, die zwischen 1978 und 1986 in Cambridge durchgefuehrt wurden. Auf der Grundlage der ersten Untersuchungsergebnisse wurden etliche Items revidiert und drei Diagnoseskalen erstellt: eine allgemeine Organskala, eine Multiinfarkt-Demenz-Skala sowie eine Depressionsskala.

Empirische Pruefung und Guetekriterien:
Roth et al. (1988) berichten Ergebnisse aus zwei Studien (insgesamt 92 Patienten) zur Interraterreliabilitaet und zur Gueltigkeit.
Reliabilitaet: Jeweils zwei Psychiater (von insgesamt vier) interviewten abwechselnd die Patienten oder beobachteten das Interview. Anschliessend fuellten sie unabhaengig voneinander die CAMDEX aus. Mit .83 (Phi-Koeffizient) dokumentiert auch der niedrigste Median noch eine zufriedenstellende Uebereinstimmung. Bei den vier Hauptdiagnosen (Unauffaellig; Demenz; Bewusstseinstruebung; Depression) traten bei 40 Patienten nur drei Nichtuebereinstimmungen auf. Die Split-half-Koeffizienten betrugen .95 fuer die Organskala, .90 fuer die Depressionsskala und .77 fuer die MID-Skala (n = 92). Die Werte konnten in weiteren Untersuchungen bestaetigt werden.
Validitaet: Roth et al. (1994) wiesen mit einem varianzanalytisch bestimmten CAMCOG-Cut-off-Wert von 79/80 eine Spezifitaet von 96% und eine Sensitivitaet von 92% bei der Unterscheidung der vier Hauptdiagnosegruppen nach. In einer Untersuchung mit der deutschen Version bei hoeherem Cut-off-Wert wurde eine Sensitivitaet von 100% und eine Spezifitaet von 99% erreicht (n = 90). Ein Vergleich der Selbsteinschaetzung dementer Patienten mit Fremdeinschaetzungen durch Informanten und der festgestellten kognitiven Leistung erbrachte geringe bis mittlere (signifikante) Zusammenhaenge (r = .13 bis .29).
Normen: Eine Normierung liegt nicht vor. Angegeben werden Mittelwerte und Standardabweichungen fuer verschiedene Diagnosegruppen.