Zoo-Spiel. Ein Test zur Planungsfaehigkeit bei Grundschulkindern : [Testbox mit Manual, 10 Auswertungsblaettern und Testmaterial]

Göttingen: Beltz Test (2002)
Buch / Monographie / Fach: Psychologie
Fakultät für Bildungswissenschaften » Institut für Psychologie
Abstract:
Diagnostische Zielsetzung:
Mit dem Verfahren laesst sich die Planungsfaehigkeit von Grundschulkindern erfassen, um bei Defiziten gezielte Foerdermassnahmen einsetzen zu koennen.

Aufbau:
Der Test besteht aus einer Spielvorlage (Zoo), auf der sich sechs Tiere in ihren von Strassen verbundenen Gehegen befinden (Krokodil, Hund, Katze, Maus, Gans und Schaf). Das Kind hat die Aufgabe, die Tiere mit einem Transporter zum Futterplatz zu fahren. Dabei hat das Kind jedoch bestimmte Regeln zu beachten. Mehrere Loesungen sind moeglich. Das Loesungsverhalten wird auf dem Protokollbogen aufgezeichnet. Die quantitative Auswertung erfolgt nach den Planungsindizes (1) Planungstiefe, (2) Plankorrektur, (3) Regelkontrolle und (4) Umwegkontrolle. Bei der qualitativen Auswertung wird die verwendete Strategie danach beurteilt, wie viele Loesungsmoeglichkeiten sich nach der Startfahrt ergeben.

Grundlagen und Konstruktion:
Die Faehigkeit, Handlungen planen zu koennen, wird von den Autoren als bedeutsamer Entwicklungsfaktor angesehen, der an der Regulation von Handlungen beteiligt ist und dazu dient, die Effektivitaet von Leistungen zu steigern. So wird ein Zusammenhang von Planungskompetenzen mit schulischer Leistungsguete gesehen. Umgekehrt stellt das Fehlen von Planungsprozessen einen Risikofaktor in der kognitiven Entwicklung dar, der die Entstehung und Aufrechterhaltung von Entwicklungsverzoegerungen und Entwicklungsrueckstaenden beguenstigt. Unter "Planen" wird verstanden, ein Handlungsziel zu entwickeln, die Schritte auf dem Weg zum Ziel festzulegen und den Handlungsablauf zu organisieren sowie diesen waehrend der Ausfuehrung zu ueberwachen, zu kontrollieren und gegebenenfalls Plankorrekturen vorzunehmen. Mit dem vorliegenden Verfahren soll eine Luecke geschlossen werden, indem die Planungskompetenzen von Grundschulkindern, bei denen die Anwendung exekutiver Kontrollprozesse beginnt, getestet wird. In Anlehnung an die Organisationsaufgaben von Kluwe und Modrow (1988) und das Kannibalen- und Missionare-Paradigma von Juelisch und Krause (1976) wurde das Zoo-Spiel als eine Planungsaufgabe entwickelt, die nicht aus vollstaendig bedingungsabhaengigen Handlungsschritten besteht, sondern unter Beachtung bestimmter Randbedingungen Freiheitsgrade in der Festlegung der Handlungsschritte ermoeglicht.

Empirische Pruefung und Guetekriterien:
Die Interraterreliabilitaet (zwei geschulte Auswerter bewerteten die Leistungen von 53 Kindern fuer die insgesamt 212 Planungsindizes) betrug .98.
Reliabilitaet: Eine Replikationsstudie an jeweils 65 Zweitklaesslern aus derselben Schule (Erhebungsabstand 1 Jahr) ergab keine signifikanten Unterschiede bezueglich der vier Planungsindizes.
Validitaet: In einer Studie an 132 Erstklaesslern ergaben sich signifikante, aber gering ausgepraegte Zusammenhaenge zwischen Zoo-Spiel und Intelligenz (CFT 3 und 5), Bilderordnen (Kaufman Assessment Battery) und zu Schulnoten (Rechnen und Schreiben). Aus der ueber alle verwendeten Verfahren gemeinsam durchgefuehrten Faktorenanalyse resultierte ein dominierender erster Faktor, auf dem alle planungsrelevanten Variablen laden.
Normen: Es liegen Normen (Prozentraenge) bezueglich der vier Planungsindizes fuer die Klassenstufen 1, 2 und 3 gesamt sowie pro Klassenstufe getrennt nach Schultyp vor (sozialer Brennpunkt, normal, gehoben). Ausserdem werden fuer jede Klassenstufe gesamt und getrennt nach Schultyp die Haeufigkeit der gewaehlten Strategie und das Ergebnis (Erfolg, Misserfolg) graphisch und tabellarisch unter Angabe der Prozentzahlen angegeben. Die Normierungsstichprobe umfasste 1092 Schueler (549 Maedchen, 538 Jungen).