Kognitive und motivationale Bedingungen der Lernschwaeche von Kindern mit minimaler cerebraler Dysfunktion. Eine Verlaufsanalyse zum Lern- und Leistungsverhalten.

Berlin: Marhold (1983)
Buch / Monographie / Fach: Psychologie
Fakultät für Bildungswissenschaften » Institut für Psychologie
Abstract:
Die Lernschwaeche von Kindern mit einer Minimalen Cerebralen Dysfunktion (MCD) aeussert sich in Stoerungen des Leistungsverhaltens, der Lernfaehigkeit und der aufgabenspezifischen Motivationslage. Um eine differenzierte Diagnose der Lernschwaeche zu ermoeglichen, wurde auf der Grundlage der Informationsverarbeitungstheorie eine ablauforientierte Analyse des Leistungsverhaltens an 47 zehnjaehrigen Kindern (24 Kinder mit MCD-Diagnose, 23 Kinder ohne MCD-Befund) vorgenommen. Als Methode wurde die Analyse der Blickbewegungen gewaehlt und verschiedene informationstheoretische Masse entwickelt. Zur Anwendung kamen Aufgaben zur visuellen Differenzierungsfaehigkeit, zum kombinatorisch-schlussfolgernden Denken, zur Objektfindung sowie zur Erfassung der kognitiven Strukturiertheit. Die aufgabenspezifische Motivation wurde anhand eines Fragebogens zur subjektiven Aufgabenbewertung und einer Verhaltensbeurteilung durch den Testleiter nach jeder Problemaufgabe ermittelt. Es zeigte sich, dass die Lernfaehigkeit des hirnfunktionsgestoerten Kindes durch einen verlangsamten und veraenderten Lernprozess gekennzeichnet war, der die Bildung altersgerechter Lernvoraussetzungen in spezifischer Weise beeintraechtigte: Im Bereich der abstrakten Denkoperationen bestand ein Verfuegbarkeitsdefizit; verfuegbare Problemloeseoperatoren konnten nicht in angemessener Weise genutzt werden (Nutzungsdefizit); komplexe Aufgabenanforderungen wurden weniger effektiv in sukzessiven Handlungsschritten bearbeitet; die Motivationslage war durch eine Misserfolgsorientierung (geringe Aufgabenmotivation, geringe Anstrengungsbereitschaft, externale Ursachenerklaerung) gekennzeichnet.