Brand, Matthias; Kalbe, Elke; Kessler, Josef; Baller, Gisa:

IGD Inventar zur Gedaechtnisdiagnostik : [Testkoffer mit Manual, 5 Screening-Testboegen, 5 Screening-Protokollboegen, Aufgabenordner Modul A, 10 Bloecke Antwortboegen Modul A, je 5 Protokollboegen Modul A/B/C, je 5 Testhefte Modul B/C und 5 Ergebnisprofile]

Göttingen [u.a.]: Hogrefe (2011)
Buch / Monographie / Fach: Angewandte Kognitionswissenschaften
Fakultät für Ingenieurwissenschaften » Informatik und Angewandte Kognitionswissenschaft
Abstract:
Diagnostische Zielsetzung:
Das IGD dient der Erfassung eines breiten Spektrums von Gedaechtnisleistungen. Seine Anwendungsmoeglichkeiten liegen in der klinischen Forschung und Praxis, aber auch im leistungsdiagnostischen Bereich. Das Modul A zur Erfassung der Lern- und Merkfaehigkeit differenziert vorrangig im mittleren und hoeheren Leistungsbereich und ist fuer Personen mit klinischen Gedaechtnisstoerungen mitunter zu anspruchsvoll, waehrend der Einsatz der Module B (Semantisches Gedaechtnis) und C (Autobiografisches Gedaechtnis) vorrangig bei Personen mit bestehenden Gedaechtnisbeeintraechtigungen sinnvoll erscheint.

Aufbau:
Das IGD setzt sich aus drei Modulen zusammen, die unabhaengig voneinander durchfuehrbar sind. Modul A (Lern- und Merkfaehigkeit) erfasst mit 12 Untertests verschiedene Aspekte des Neugedaechtnisses und der Lernfaehigkeit (prospektives Gedaechtnis, Zahlenspanne, verbales und visuelles Arbeitsgedaechtnis, verbales und visuelles Lernen, exekutive Kontrolle, verzoegerte Rekognition und Reproduktion, Paarassoziationslernen, Priming). Die Untertestergebnisse werden zu fuenf Skalen ("Kurzzeitgedaechtnis / Arbeitsgedaechtnis", "Lernen", "Verzoegerter Abruf", "Verbales Gedaechtnis", "Visuelles Gedaechtnis") und einem Gesamtwert verrechnet. Mit einem vorgeschalteten Screening kann die Anwendbarkeit des Moduls bei Patienten mit Gedaechtnisstoerungen vorab geprueft werden. Modul B (4 Untertests: Objektwissen, Konzeptwissen, Wortkenntnis, Faktenwissen) erfasst Aspekte des semantische Altgedaechtnisses, Modul C (2 Untertests: Persoenliche Ereignisse, Persoenliche Daten und Fakten) bildet das autobiografische Gedaechtnis mit den Aspekten "Erinnerungsleistung" und "Erinnerungsqualitaet" ab.

Grundlagen und Konstruktion:
Das IGD wurde nach Prinzipien der Klassischen Testtheorie entwickelt; naehere Angaben zur Konstruktion fehlen im Manual. Das Verfahren basiert auf etablierten Theorien und Modellen der Gedaechtnisforschung, insbesondere dem Multi-Speicher-Modell von Atkinson und Shiffrin (1968), dem Arbeitsgedaechtnismodell von Baddeley und Hitch (1974) sowie dem SPI-Modell nach Tulving (1995). Die Lern- und Merkfaehigkeit wird mit Aufgaben erfasst, die vorwiegend den expliziten Abruf intentional gelernten verbalen und visuellen Materials erfordern. Aufgaben zum semantischen Gedaechtnis erfassen inzidentell aufgebautes Wissen, das explizit abgerufen wird. Fragen zum autobiografischen Gedaechtnis schliesslich zielen auf die Erfassung von episodischen und semantischen Aspekten des Altgedaechtnisses ab, die ebenfalls explizit zu erinnern sind.

Empirische Pruefung und Guetekriterien:
Reliabilitaet: Die Retestreliabilitaet (Retest-Intervall: 6 Monate) fuer Testmodul A liegt bei rtt = .84, fuer Testmodul B bei rtt = .84 und fuer Testmodul C bei rtt = .82.
Validitaet: Fuer die Inhaltsvaliditaet des IGD spricht seine theoriegeleitete Entwicklung auf der Basis etablierter neuropsychologischer Theorien und Modellvorstellungen zu Aufbau und Funktionsweise des Gedaechtnisses. Die Konstruktvaliditaet von Testmodul A (Lern- und Merkfaehigkeit) wurde an n = 41 Probanden durch Korrelationen mit weiteren Gedaechtnistests (z.B. WMS-R, RMBT, VLT) geprueft. Beispielsweise betrug die Korrelation des Gesamtscores von Modul A mit der WMS-R r = .83.
Normen: Die Normierung des IGD erfolgte an insgesamt N = 452 hirngesunden Personen; mitgeteilt werden Prozentraenge und T-Werte sowie Cut-off-Werte, die fuer eine Beeintraechtigung sprechen. Modul A wurde an N = 405 Personen aus vier Altersgruppen (18 bis 35 Jahre, 36 bis 50 Jahre, 51 bis 65 Jahre, ueber 65 Jahre) normiert. Fuer Modul B stehen Normwerte von N = 250 Personen zur Verfuegung (drei nach Bildungsgrad unterteilte Altersgruppen: 18 bis 30 Jahre, 31 bis 60 Jahre, ueber 60 Jahre). Die Normen fuer Modul C basieren auf N = 247 Personen (fuenf Altersgruppen: 18 bis 30 Jahre, 31 bis 40 Jahre, 41 bis 50 Jahre, 51 bis 60 Jahre, ueber 60 Jahre).