Widerstand von Lehrern gegen Evaluationen aus psychologischer Sicht

In: Lernen aus Evaluationsergebnissen : Verbesserungen planen und implementieren / Bohl, Thorsten; Kiper, Hanna (Hrsg.)
Bad Heilbrunn: Klinkhardt (2009), S. 185-195
ISBN: 978-3-7815-1677-9
Buchaufsatz / Kapitel / Fach: Psychologie
Fakultät für Bildungswissenschaften » Institut für Psychologie » Allgemeine Psychologie und Sozialpsychologie
Abstract:
Prozesse des Widerstands gegen Evaluationen im schulischen Kontext werden eroertert. Dabei soll durch die gewaehlten sozialpsychologischen Perspektiven fuer Widerstandsprozesse bei sich selbst und anderen sensibilisiert werden. Nach einleitenden allgemeinen Bemerkungen zu Evaluationen und zum Begriff des Widerstands wird aus sozialpsychologischer Perspektive der Frage nachgegangen, warum es zu Widerstand kommt und wie ein konstruktiver Umgang damit aussehen koennte. Im Mittelpunkt stehen dabei die Reaktanztheorie, die Theorie der kognizierten Kontrolle und die Selbstaufmerksamkeitstheorie. Implikationen dieser Theorien fuer die Schulentwicklung und die Durchfuehrung von Evaluationsmassnahmen in Schulen werden abgeleitet. Es wird besonders hervorgehoben, dass Widerstand gegen Evaluationen ein weit verbreitetes Phaenomen ist und dass insbesondere dann, wenn verschiedene Punkte einer Evaluation (Ablauf, Zeitraum, Verfahren, kurz- und langfristige Konsequenzen der Evaluationsergebnisse) unklar sind, damit zu rechnen ist, dass sich die Beteiligten einer Evaluation in ihrer Freiheit und Kontrolle eingeschraenkt fuehlen. Kommt dazu das Erleben von geringer Kompetenz und eine geringe Selbstwirksamkeit in Hinblick auf die individuelle Kompetenzentwicklung, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass Widerstand auf der emotionalen Ebene durch das Auftreten negativer Emotionen, auf der kognitiven Ebene durch das Anzweifeln und die Bagatellisierung sowie Nichtzurkenntnisnahme von Evaluationsergebnissen und auf der Verhaltensebene durch den Verstoss gegen Regeln der Evaluation, Widerstand geleistet wird. Bei stark unsicheren Beteiligten koennen Evaluationen zu ernsthaften Motivationsdefiziten in ihrem Arbeitsbereich fuehren, da ihre Angst und empfundene Hilflosigkeit steigt.

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