Steins, Gisela; Sticker, Elisabeth; Schmidt, Claudia:

Das Selbstwertgefühl chronisch kranker Kinder am Beispiel Adipositas und angeborener Herzfehler : Self-esteem of chronically ill children and adolescents (eg. adipositas and congenital heart disease)

In: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie : Ergebnisse aus Psychotherapie, Beratung und Psychiatrie, Jg. 52 (2003) ; Nr. 1, S. 17-34
ISSN: 0032-7034
Zeitschriftenaufsatz / Fach: Psychologie
Fakultät für Bildungswissenschaften » Institut für Psychologie » Allgemeine Psychologie und Sozialpsychologie
Abstract:
Die Bewältigung einer chronischen Erkrankung stellt Kinder und Jugendliche zusätzlich zu den zu lösenden Entwicklungsaufgaben vor große Herausforderungen. Durch diese doppelte Anforderung könnte insbesondere die Entwicklung eines stabilen Selbstwertgefühls gefährdet werden. Es wurde untersucht, ob sich diese Prozesse je nach Art der Erkrankung unterscheiden; zwei Stichproben von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 8 und 16 Jahren mit unterschiedlichen chronischen Erkrankungen wurden verglichen: 54 Kinder und Jugendliche mit Adipositas als sichtbare und - zumindest was den Verlauf angeht - nicht völlig unkontrollierbare Erkrankung vs. 56 Kinder und Jugendliche mit angeborenem Herzfehler als eher unsichtbare und der eigenen Kontrolle weitgehend entzogene Erkrankung. Das Selbstwertgefühl wurde mit der "Aussagenliste zum Selbstwertgefühl für Kinder und Jugendliche" erfasst, in der die öffentlichen Bereiche Schule und Freizeit sowie der private Bereich Familie unterschieden werden. Herzkranke Kinder und Jugendliche, insbesondere die Mädchen, wiesen in allen drei Bereichen ein überdurchschnittliches Selbstwertgefühl auf. Adipöse Kinder und Jugendliche berichteten überwiegend ein durchschnittliches Selbstwertgefühl; dabei lagen die Mädchen für den privaten Bereich "Familie" deutlich über und die Jungen für den öffentlichen Bereich "Freizeit" deutlich unter der Norm. Weiterhin fiel das freizeitbezogene Selbstwertgefühl für die Adipösen signifikant niedriger aus als für die Herzkranken. Diese erkrankungsspezifischen Zusammenhänge implizieren differentielle Schwerpunktsetzungen in Interventionsprogrammen. (ZPID).