Fachsprache oder Geheimsprache? Sondersprachliches in frühneuhochdeutschen Ring- und Fechtlehren. Probleme und Perspektiven eines germanistischen Untersuchungsansatzes

In: Fachprosaforschung - Grenzüberschreitungen, Jg. 2008/09/Band 4/5 (2010), S. 125 - 135
ISSN: 1863-6780
Zeitschriftenaufsatz / Fach: Germanistik; Geschichte
Abstract:
Aus der Zusammenfassung: "Mittelalterliche und frühneuzeitliche Ring- und Fechtlehren als Wissentransferprozesse mittels Schrift bilden ein frühes Quellenkorpus für sondersprachliche Überlegungen und eröffnen ein breites und reiches Forschungsfeld. Die hier nur in stark begrenztem Maß mögliche Autopsie ergab zwei ambivalente Aspekte: Erstens dürfte die Versprachlichung fach- und gruppeninterner Konventionalisierungshandlungen mit dem Bilden von spezifischen Fachwörtern einhergegangen sein. Doch warum gibt es bei gleichbleibenden Merkversen nur einen kaum ins Gewicht fallenden fachsprachlichen Traditions- und Kontinuitätskern, vielmehr aber Indizien für einen massiven Fachvokabularwechsel? [...] Zweitens ist den frühen Ring- und Fechtlehren eine Form der inhaltlichen Verschlüsselung eigen, die folglich geheimsprachliche Merkmale tragen müsste. [...] Handelt es sich streng genommen wirklich um Geheimsprachlichkeit oder vielleicht um ein hermeneutisches Phänomen, das näher an der Literaturwissenschaft liegt? Oder wurde das geheimsprachliche Vokabular durch die Auslegung und Kanonisierung schließlich zum Fachvokabular und die Geheimsprache in den Ring- und Fechtlehren zur "toten" Geheimsprache? [...] Vermutlich liegt einiges im mündlichen und memorierenden Gebrauch begründet, in dem bestimmte lautliche Elemente abgeschliffen, verhört, umgedeutet wurden. Ihren auratischen Charakter verlieren sie aber damit nicht. Der "Schiller" meint dieselbe Bewegung, auch wenn der erklärende Zusammenhang mit "Schielhaw" nicht mehr durchschaubar ist. Überkreuzen sich hier Bezeichnungs- und Geheimhaltungsfunktionen? [...]"

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