Schwarzer, Wolfgang:

Entwicklung eines Analysetools als Beitrag zur Bewertung von Distrubutionszentren als System nach den Grundzügen ordnungsgemäßer Modellierung

Duisburg, Essen (2011), 348 S.
Dissertation / Fach: Maschinenbau
Fakultät für Ingenieurwissenschaften » Maschinenbau und Verfahrenstechnik
Noche, Bernd (Doktorvater, Betreuerin)
ten Hompel, Michael (GutachterIn)
Duisburg, Essen, Univ., Diss. 2011
Abstract:
Im Blickpunkt der hier vorliegenden Arbeit steht die Entwicklung eines Analysetools als Kennzahlensystem nach den Grundzügen ordnungsgemäßer Modellierung als Beitrag zur Bewertung von Distributionssystemen. Gegenstand der Betrachtung sind Intralogistiksysteme mit komplexer Förder- und Lagertechnik, die zur umfassenden manuellen und automatisierten Durchführung der materialflusstechnischen Prozesse beispielsweise in Warenverteilzentren oder in Zentrallagern eingesetzt werden. Das hier entwickelte Analysetool dient der modellgestützten Bestimmung des Automatisierungsgrades, der Wirtschaftlichkeit und des Servicegrades sowie der Bereitstellung einer Vielzahl von Struktur- und Rahmen-, Wirtschaftlichkeits-, Produktivitäts- und Qualitätskennzahlen, mit deren Hilfe sowohl eine interne Bewertung zur Potenzialermittlung, als auch eine externe Bewertung z.B. zu Benchmarkzwecken oder als Entscheidungsunterstützung ermöglicht wird. Insbesondere werden bei der Kennzahlermittlung neben den Hauptbeeinflussern wie Investkosten, Artikel- und Auftragsstruktur, Betriebskosten usw. zur Bewertung des betrachteten Intralogistiksystems gleichermaßen logistiktechnische Rand- und Nebenbedingungen wie beispielsweise Zugänglichkeiten, Verpackungs- und Ladehilfsmittelqualität, Arbeitsplatzergonomie, Auftragslast abhängige Personal- und Betriebskosten wie auch regenerative Energiegewinnung, die in Strukturelemente gruppiert sind, mit einbezogen. Alle Eingaben werden mit ermittelten Basiswerten mehrdimensional, d.h. auch in Verbindung mit den dynamisch ermittelten Ausgabevariablen der verschiedenen Strukturelemente verknüpft. Zudem ergibt sich vielfach je Strukturelement eine Spitzenkennzahl, die für die Subsumierung in der Datenverdichtung herangezogen wird. Alle den einzelnen Bereichen zugeordnete Kennzahlen werden innerhalb der Strukturelemente und auch übergreifend über die Strukturelementgrenzen hinweg in Beziehung gesetzt und führen im Fortgang zu den Ausgaben von Geschäftsprozess- und Schlüsselleistungskennzahlen, die wiederum in Struktur- und Rahmen-, Wirtschaftlichkeits-, Produktivitäts- und Qualitätskennzahlen untergliedert sind. Neben der Entwicklung des Analysetools werden außerdem in einer breit gefächerten Wirkungsanalyse durch Parametervariation von Eingabekennzahlen die Wirkzusammenhänge zwischen den Ein- und Ausgabekennzahlen ermittelt und aufgezeigt. Die Wirkungsanalyse erfolgt durch Szenarien, bei denen die jeweilige angesprochene Eingabevariable in ihrem Eingabewert um 50 % erniedrigt bzw. um 50 % erhöht respektive bei variablen Faktoren innerhalb ihrer Grenzen variiert wird. Beim Aufbau der Wirkungsanalyse standen die Ermittlung der Anzahl der Wirkungen der jeweiligen Eingabekennzahl auf die Ausgabekennzahlen sowie deren Schwankungsbreite und auch der Richtungstrend, also synchrone oder asynchrone Wirkung mit der Parametervariation im Vordergrund. Gleichermaßen wurde eine Rangfolge der einflussreichsten Ein- und Ausgabevariablen erstellt, bei der neben der Anzahl der Beeinflussungen und der Absolutwirkungen mit der neu eingeführten Kennzahl Wirkungsbreite zusätzlich die neu eingeführte Kennzahl Wirkungsintensität als Mittelwert aller Einzelwirkungsbreiten je Parametervariation mit einbezogen wurde. Um eine hinreichende Übereinstimmung von Modell und Realität zu gewährleisten wurden in einem umfangreichen Validierungsprozess die Beziehungen der Ein- und Ausgabekennzahlen untersucht und durchgängig ordnungsgemäß validiert. Das beschriebene Ziel, ein Hilfsmittel zur Bewertung von Distributionszentren zu entwickeln, wurde vollständig erreicht, wobei sich mit Hilfe dieses Analysetools die Möglichkeit ergibt, bereits im Vorfeld von Anlagenentwurf und -betrieb komplexe Förder- und Lagersysteme zu analysieren und dadurch Geschäftsprozesse zu optimieren. Zusätzlich können Auswirkungen von Systemänderungen beurteilt und der Einsatz von unterschiedlichen Systemkomponenten untersucht werden.