Schröder, Julia Katharina:

Optimierung des Therapiemanagement gynäkologischer Malignome und Mammakarzinome durch interdisziplinäre und intersektorale Online Tumorkonferenzen

Duisburg, Essen (2010), 138 Bl.
Dissertation / Fach: Medizin
Medizinische Fakultät » Universitätsklinikum Essen » KLinik für Frauenheilkunde
Kimmig, Rainer (Doktorvater, Betreuerin)
Holtmann, Gerald (GutachterIn)
Duisburg, Essen, Univ., Diss., 2010
Abstract:
Das Therapiemanagement gynäkologischer Malignome und Mammakarzinome erfordert multimodale Behandlungsstrategien und multidisziplinäre Zusammenarbeit der Behandler, auch über Sektorengrenzen hinweg. Ein redundanzfreies und koordiniertes Therapiemanagement wird zudem vor dem Hintergrund des steigenden Kostendrucks im Gesundheitswesen immer wichtiger. Tumorkonferenzen sind das klassische Verfahren, um interdisziplinäre Empfehlungen zu erarbeiten, bringen jedoch zahlreiche zeitliche und logistische Hürden mit sich. Aus diesem Grund wurde an der Charité (Berlin) und dem Universitätsklinikum Essen eine interdisziplinäre und intersektorale Online-Tumorkonferenz für Patientinnen mit gynäkologischen Malignomen und Mammakarzinomen initiiert. Von Dezember 2004 bis Dezember 2008 fanden über 130 Tumorkonferenzen mit über 2.000 Teilnahmen statt und es wurden mehr als 450 Kasuistiken beraten. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, zu evaluieren, inwieweit die Online-Tumorkonferenz die Qualität des Therapiemanagements sichert und erhöht. Der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit lag in der Befragung aller an der Online-Tumorkonferenz teilnehmenden Behandler (N=109 – 2 Subgruppen: 52 Kliniker und 57 Niedergelassene) zu wesentlichen qualitäts-determinierenden Aspekten der Online-Tumorkonferenz. Die Erwartungen der Teilnehmer an die Konferenz wurden evaluiert und die Fähigkeit des Konferenz-Konzeptes, diese Erwartungshaltungen und Beratungsbedarfe zu erfüllen, belegt. Die Evaluationsergebnisse zeigen des Weiteren, dass die Hälfte der Teilnehmer durch die Online-Tumorkonferenz verstärkt Zweitmeinungen einholt, und es konnte belegt werden, dass insbesondere die detaillierte und evidenzbasierte Prüfung der Kasuistiken einen klaren Mehrwert der Online-Tumorkonferenz darstellt. 70% der Teilnehmer bestätigten zudem, dass sich die Zusammenarbeit zwischen dem ambulanten und dem klinischen Versorgungssektor verstärkt. Fast alle Niedergelassenen bestätigten, dass durch die Online-Tumorkonferenz Informationen schneller ausgetauscht werden. Eine überwiegende Mehrheit der Teilnehmer bejahen einen Zuwachs ihres Fachwissens sowie ihrer Therapiesicherheit und alle Teilnehmer gaben an, dass die Therapieempfehlungen, die in der Konferenz getroffen werden, für sie nachvollziehbar sind. Dies gilt als entscheidendes Kriterium für die spätere Translation der Konferenzempfehlungen in die Praxis. 60% sind der Ansicht, dass Redundanzen in der Diagnostik und Therapie durch die Online-Tumorkonferenz vermieden werden können. Es lässt sich somit festhalten, dass das multidisziplinäre und intersektorale Konzept der Online-Tumorkonferenz von vielen Ärzten angenommen wird und eine effektive und evidenzgesicherte Möglichkeit darstellt, Zweitmeinungen in einem multidisziplinären Team zu generieren, die Kooperation der Behandler zu stärken und Redundanzen im Therapiemanagement zu vermeiden.