Gersch, Petra:

Unverwechselbare Merkorte : Beschreibungssystem zur mehrdimensionalen Ausstellungsgestaltung

Duisburg, Essen (2010), 184 Bl.
Dissertation / Fach: Kunst, Design
Fakultät für Geisteswissenschaften
Bruder, Ralph (Doktorvater, Betreuerin)
Meier, Cordula (GutachterIn)
Dissertation
Abstract:
Zielsetzung der Arbeit Die vorliegende Dissertation macht es sich zur Aufgabe ein Beschreibungssystem für die vielfältigen in Ausstellungen eingesetzten Gestaltungsmittel, wie der Architektur, den Inszenierungsmitteln und den internen/ externen kommunikativen Gestaltungsmittel zu erarbeiten. Hierbei wird die Zielsetzung verfolgt, einen Ansatz zur Verfügung zu stellen, indem die Betrachtung der eingesetzten Gestaltungsmittel einer Ausstellung nicht auf eine Dimension, wie der »dienbaren Funktion«, verkürzt, sondern mehrdimensional begriffen wird. Eine besondere Bedeutung wird dem Kontext einer Ausstellung zugeschrieben, der durch die spezifischen Rahmenbedingungen einer Ausstellung konstituiert wird, wie die inhaltliche Fragestellung, die Feststellung ob kuratierte Objekte gezeigt werden, die angesprochene Zielgruppe, die strategischen Zielsetzung, die finanziellen Mittel und die Zeitspanne der Ausstellung. In der Ausrichtung des Bezugsdreicks Kontext/ Funktion/ Form wird die Beeinflussung der Lesarten und des Erlebnis der Besucher einer Ausstellung gesehen. Das konsistente Zusammenspiel aller Gestaltungsmittel einer Ausstellung wird hierbei als Chance begriffen, dass eine Ausstellung als »unverwechselbarer Merkort« – als Gedächtnisanker – beim Besucher in Erinnerung bleibt. Theoretischer Ansatz Die Dimensionen, auf denen Gestaltungsmittel thematisiert werden können, hängen von der jeweiligen fachwissenschaftlichen Position und der formulierten Fragestellung ab, die beispielsweise von einem fertigungstechnischen, ökonomischen, kultursemiotischen oder ästhetischen Standpunkt aus, motiviert sein kann. In der hier vorliegenden Arbeit wird von einem nutzungsorientierten Standpunkt mit einer Besucherzentrierten Perspektive auf die Gestaltungsmittel von Ausstellungen geschaut. Aus dieser Perspektive wird berücksichtigt, wie es von der Wahrnehmung des Subjekts zur Handlung kommt und es wird sowohl die kognitive als auch die emotionale Informationsverarbeitung des Menschen dabei zu Grunde gelegt. Der Ansatz »Emotional Design« von Donald E. Norman dient als theoretische Fundierung für das Beschreibungssystem zur mehrdimensionalen Ausstellungsgestaltung. In diesem Ansatz erhalten die Eigenschaften eines Objekts auf unterschiedlichen Ebenen des menschlichen Informationsverarbeitungsprozesses ihre Bedeutung. Diese drei Ebenen des Verarbeitungsprozesses definieren auch, welche Aspekte eines gestalteten Objekts in der jeweiligen Ebene von Relevanz sind und werden somit als die Dimensionen begriffen, die dem zu kreierenden Beschreibungssystem zu Grunde gelegt werden. Vorgehensweise/ Ergebnisse Durch einen Transfer der Terminologie Normans in die Terminologie des Designs werden die sinnlich-affektive Dimension, die Gebrauchsdimension und die semantische Dimension als Dimensionen hergeleitet, auf denen die Gestaltungsmittel einer Ausstellung betrachtet werden sollen. Nach einer Erläuterung der gängigsten in Ausstellungen eingesetzten Gestaltungsmittel, wird an Hand dreier fiktiver Szenarien das Zusammenspiel dieser Gestaltungsmittel in Abhängigkeit der jeweiligen Kontextbedingungen unter der Betrachtung einer Dimension thematisiert. Nach diesen konstruierten Laborbedingungen wird das Beschreibungssystem in vivo an der Dauerausstellung des Jüdischen Museums erprobt. Die Ergebnisse dieser empirischen Untersuchung ermöglichen es aufzuzeigen, durch welche dimensionale Ausprägung der Gestaltungsmittel die Ansprache der Besucher erfolgt. Weiterhin können auch die Kausalitäten verdeutlicht werden, die durch die Betonung oder Negierung einer Dimension bei der Ausprägung eines Gestaltungsmittels erzeugt werden.

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