Gesunde Kinder in gesunden Kommen : Sozialräumliche Vernetzung zur Förderung des schulischen und außerschulischen Bewegungsverhaltens von Kindern am Beispiel der Kommune Velen

Duisburg, Essen (2009), VII, 229 S.
Dissertation / Fach: Erziehungswissenschaften; Soziologie, Sozialwissenschaften
Fakultät für Bildungswissenschaften » Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften
Naul, Roland (Doktorvater, Betreuerin)
Schmidt, Werner (GutachterIn)
Duisburg, Essen, Univ., Diss., 2009
Abstract:
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Effekte eines speziellen, standardisierten curricularen Interventionskonzeptes zur Gesundheitsförderung im Rahmen des dreistündigen wöchentlichen Sportunterrichts an Grundschulen aufzuzeigen. Dabei werden auch Bedingungsvariablen erkannt und benannt, die auf die Umsetzung dieses Konzeptes einen förderlichen oder auch hinderlichen Einfluss genommen haben. Das Interventionskonzept stellt einen singulären Baustein eines umfangreichen Handlungskataloges curricularer, co-curricularer und extracurricularer Interventionsmaßnahmen dar, die im Rahmen eines multisektoralen kommunalen Interventionskonzeptes -„Gesunde Kinder in gesunden Kommunen“ - zur Förderung eines aktiven Lebensstils bei Kindern zum Tragen kommen.

In der Entwicklung einer bewegungs- und sportorientierten Kinder- und Jugendsportforschung können vier differente Zugangsweisen unterschieden werden. Eine synergetische Betrachtung der vielfältigen Parameter, die einen Einfluss auf das bewegungs- und sportorientierte Verhalten von Kindern und Jugendlichen ausüben, findet - wenn überhaupt - nur in Ansätzen statt. Zudem liegen wissenschaftlich abgesicherte Ergebnisse eines disziplinübergreifenden Ansatzes noch nicht vor.
Auch im schulischen und im außerschulischen Kontext (Sportverein) nimmt das Thema „Gesundheitsförderung“ einen hohen Stellenwert ein. Interventionsmaßnahmen überwiegend co-curricularer Natur haben eine lange Tradition, nicht nur im Rahmen des Schulsports. Multisektorale Ansätze bilden jedoch auch hier die Ausnahme.

Im Fokus der Untersuchungen der vorliegenden Arbeit steht die Überprüfung von Effekten eines spezifischen Interventionskonzeptes auf die allgemeine sportmotorische Leistungsfähigkeit, das psychische und somatische Befinden sowie von Auswirkungen auf verschiedene Aspekte des allgemeinen Bewegungsverhaltens sowie der sportlichen Aktivität. Die Durchführung der Intervention erfolgte bei Kindern der zweiten und dritten Jahrgangsstufe zweier Schulen einer ländlichen Gemeinde in Nordrhein-Westfalen. Hierbei kam ein Interventions-/Kontrollgruppendesign mit Prä- und Posttest zum Einsatz. Insgesamt gehen die Daten von 124 Kindern der 2. und 3. Klassen an zwei ausgewählten Grundschulen in die Auswertung der Untersuchung ein. Die Umsetzung des Konzeptes wurde in enger Zusammenarbeit von schulischen und außerschulischen Partnern realisiert.

Zur Analyse der verschiedenen Parameter wurde ein interdisziplinäres Instrumentarium entwickelt und zusammengestellt. Zur Erfassung der basismotorischen Fähigkeiten wurde der auf das Interventionsdesign abgestimmte „GKGK-Test“ eingesetzt, der eine leicht veränderte und erweiterte Form der motorischen Testbatterie des „Motorischen Tests für Kinder und Jugendliche“ (dvs, 2007) darstellt. Weiterhin kamen standardisierte Fragebögen zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (KID-Kindl 3-6 und 7-12; Ravens-Sieberer & Bullinger, 1999) sowie des Bewegungs- und Ernährungsverhaltens zum Einsatz. Der Fragebogen zum Ernährungsverhalten (aid-infodienst, 2004), der im Posttest nicht benutzt wurde, ist nicht Gegenstand der vorliegenden Analyse.

In Abhängigkeit der unterschiedlich ausgelegten Interventionsziele konnten bei beiden Interventionsgruppen überwiegend positive Effekte erzielt werden, und zwar sowohl im Bereich der Entwicklung der motorischen Basiskompetenzen als auch hinsichtlich der allgemeinen Befindlichkeit und des Bewegungsverhaltens der Probanden. Statistisch signifikante Interventionseffekte konnten für die Interventionsgruppe des 2. Schuljahrs bei vier, für die Probanden des 3. Schuljahrs bei zwei Parametern nachgewiesen werden. Sich ebenfalls abzeichnende eher geringe signifikante Effekte müssen im Kontext unterschiedlicher Einflüsse betrachtet und bewertet werden. Dies gilt auch für widersprüchliche Ergebnisse in den verschiedenen Untersuchungsfeldern, die vor dem Hintergrund methodischer Mängel und anderer Einflussfaktoren diskutiert wurden.