Zur Rolle der wahrgenommenen Objektgröße beim Heben von Objekten

Duisburg, Essen (2010), 127 S. + 1 CD-ROM
Dissertation / Fach: Psychologie
Fakultät für Ingenieurwissenschaften » Informatik und Angewandte Kognitionswissenschaft » Angewandte Kognitions- und Medienwissenschaft » Allgemeine Psychologie: Kognition
Heineken, Edgar (Doktorvater, Betreuerin)
Brand, Matthias (GutachterIn)
Duisburg, Essen, Univ., Diss., 2010
Abstract:
Wenn zwei Objekte gleichen Gewichtes aber unterschiedlicher Größe gehoben werden, so erscheint das kleinere Objekt schwerer als das größere. In dieser seit über 200 Jahren bekannten Größengewichtstäuschung drückt sich die intersensorielle Integration von Information über Objektgewicht und Objektgröße aus. Als Determinanten dieser Täuschung sind neben verschiedenen Attributen der Objekte insbesondere die zeitliche Kontiguität der Darbietung der Gewichts- und Größeninformation von Bedeutung, darüber hinaus wird auf die Bedeutung von Vorwissen und Erwartungen für das Zustandekommen der Täuschung hingewiesen.
Diskutiert wird bis zum heutigen Tage die Rolle der sensorischen Modalität, in der die Größeninformation vermittelt wird. Einige Autoren berichten von einem Modalitätseffekt, nach dem das Täuschungsphänomen in vollem Umfang nur bei haptischer Vermittlung der Information über die Objektgröße auftritt, obgleich eine ausschließlich visuell induzierte Täuschung bekannt ist. Die Aufklärung dieser Diskrepanz ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit.

In einem mehrfaktoriellen Experiment mit insgesamt 40 Probanden, in dem die Information über die Größe der dargebotenen, unterschiedlich schweren Objekte visuell und/oder haptisch vermittelt wird, kann der Modalitätseffekt als Ausdruck eines Artefaktes nachgewiesen werden. Hierzu werden einige der kugelförmigen Vergleichsobjekte so gestaltet, dass die Größenverhältnisse zwischen kleinerem und größerem Vergleichsobjekt bei ihrer Darbietung annähernd identisch sind, wenn der Durchmesser bei visueller Darbietung und das Volumen bei haptischer Darbietung als Großenhinweisreiz herangezogen werden. Die Befunde zeigen, dass es keinen Modalitätseffekt bei der Größengewichtstäuschung gibt, wenn die wahrgenommenen Größenverhältnisse der zu vergleichenden Objekte in der jeweiliger Sinnesmodalität, in der die Information über die Größe vermittelt wird, gleich sind. Bei gleichzeitiger Darbietung von Information über die Größe der Gewichtsobjekte in verschiedenen Modalitäten wird die Täuschung von der Größeninformation in derjenigen Modalität bestimmt, in der die Repräsentation der Größenunterschiede zwischen den Objekten am größten ist. Dieser Befund fügt sich gut in ein von Kawai, Henigman, MacKenzie, Kuang und Faust (2007) vorgestelltes konzeptuelles Modell der Gewichtswahrnehmung ein, in dem nicht die physikalischen Größenmerkmale sondern die sensorischen Größencues der verglichenen Objekte für die Ausbildung der Größengewichtstäuschung entscheidend sind.