Bulut, Soner:

Untersuchung zur wohnräumlichen Konzentration von türkischen Migranten in ausgewählten Städten des Ruhrgebiets

Duisburg, Essen (2007), X, 209, II S.
Dissertation / Fach: Geowissenschaften; Geschichte
Fakultät für Geisteswissenschaften » Institut für Geografie
Wehling, Hans-Werner (Doktorvater, Betreuerin)
Reuber, Paul (GutachterIn)
Duisburg, Essen, Univ., Diss., 2007
Abstract:
Für das Ruhrgebiet wird bis zum Jahre 2015 ein Verlust von voraussichtlich 7% seiner Einwohner prognostiziert. Die Hellweg- und Emscherzonen werden am stärksten von dieser Entwicklung betroffen sein. Einige kreisfreie Städte haben dort schon in den letzten 30 Jahren mehr als 15% der Einwohner verloren. Neben dem anhaltenden natürlichen Bevölkerungsrückgang durch Überalterung weist das Ruhrgebiet eine vergleichsweise ungünstige steigende Konzentration von Einwanderern auf, in der Mehrzahl türkischen Ursprungs. Dadurch entsteht infolge sozialer Selektion eine wachsende sozialräumliche Spaltung. Sie wird einige Stadtteile des Ruhrgebiets zukünftig vor enorme Integrations- und Anpassungsleistungen stellen. Beispielhaft wurden Duisburg- Marxloh, Essen– Katernberg, Gelsenkirchen Bulmke– Hüllen mit besonders großen türkischen Bevölkerungsgruppen ausgewählt und im Vergleich hierzu die Stadt Hattingen mit wenigen türkischen Einwohnern. Die vorgelegte Untersuchung leistet einen Beitrag zur Beschreibung und Interpretation der Wohn- und Lebenssituation türkischer Migranten in diesen Brennpunkten sozialräumlicher Spaltung. Dargestellt werden die Ursachen und Hintergründe einer wohnräumlichen Segregation mit Schwerpunkten bei Haushalts- und Wohnungsgröße, Miet- und Eigentumsverhältnissen, Nachbarschaft, Sprachkenntnissen, Freizeitkontakten und Freundeskreis, wirtschaftlicher Lage, Erfahrungen von Diskriminierung, Verbundenheit mit Deutschland und der Türkei. Fast ein Viertel der in Nordrhein – Westfalen lebenden türkischen Migranten ist in religiösen Organisationen aktiv. Daraus wurde das Untersuchungskonzept entwickelt, die von türkischen Migranten besuchten Moscheen als Befragungsorte für die Erforschung der wohnräumlichen Situation von in großer Zahl von Türken bewohnten Stadtteilen des Ruhrgebietes auszuwählen. Kernpunkt der Primärdatengewinnung war die Beantwortung eines Fragebogens mit 20 Fragen, möglichst zeitgleich in den einzelnen Moscheen vor und nach dem Freitagsgebet. So gelang es, im Vergleich zu anderen Befragungen in kurzer Zeit und mit überschaubarem finanziellem Aufwand, was auch als Anregung für andere Untersuchungen dienen kann, 725 gültig ausgefüllte Fragebögen zu generieren. Bezogen auf die Anwesenden konnten Rücklaufquoten zwischen 70% und fast 85% erreicht werden. In dieser Arbeit wird umfangreiches Datenmaterial (u.a. 121 Tabellen und 25 Abbildungen) vorgelegt mit aktuellen Erkenntnissen über die wohnräumliche Konzentration türkischer Migranten in Stadtteilen des Ruhrgebietes mit hohen Ausländeranteilen und zukünftig hohem Integrations- und Anpassungsbedarf.