Die Erfahrung rechtlicher Exklusion. Hochqualifizierte MigrantInnen und das Ausländerrecht.

In: Kulturelles Kapital in der Migration: Hochqualifizierte Einwanderer und Einwanderinnen auf dem Arbeitsmarkt. / Nohl, A.-M.; Schittenhelm, K.; Schmidtke, O.; Weiß, Anja (Hrsg.)
1.Auflage, Wiesbaden: VS Verlag (2009), S. 123-137
ISBN: 3531164376, 978-3531164373
Buchaufsatz / Kapitel / Fach: Soziologie, Sozialwissenschaften
Abstract:
Das Ausländerrecht in Deutschland ist komplex und wird zudem in Abständen von wenigen Jahren immer wieder reformiert. Für hochqualifizierte MigrantInnen finden sich wichtige Bestimmungen in Gesetzen, in denen man nichts ausländerrechtlich Relevantes vermuten würde. Z.B. begrenzt das am 1.1.1999 in Kraft getretene Psychotherapeutengesetz das Recht zur vollen Berufsausübung auf Deutsche, EU-BürgerInnen und heimatlose AusländerInnen und es enthält längere Passagen mit Sonderregelungen für alle anderen ausländerrechtlichen Statusgruppen. Die Komplexität des Ausländerrechts erzeugt einen eigentümlichen Widerspruch für eine Sozialforschung, die sich mit rechtlicher Exklusion von MigrantInnen auseinandersetzt: Auf der einen Seite ist rechtliche Exklusion eine „harte Tatsache“, die für diejenigen, die rechtlich ausgeschlossen bleiben, kaum hintergehbare Folgen hat. Das würde eine Analyse rechtlicher Institutionen nahelegen, die aber aufgrund der Komplexität des Rechts sehr differenziert ausfallen müsste. Auf der anderen Seite orientieren sich die Handelnden selbst aber meist nicht an rechtlichen Institutionen – zumal sie häufig nicht über ausreichende Rechtskenntnisse verfügen –, sondern sie beziehen sich auf die geteilten Erfahrungen von Personen in einer ähnlichen Situation. Wenn man sich für die Auswirkungen rechtlicher Exklusion auf die Statuspassage in den Arbeitsmarkt interessiert, sollte man die Erfahrungen rechtlicher Exklusion rekonstruieren, da diese die Handlungsoptionen vor dem Hintergrund tatsächlicher rechtlicher Restriktionen strukturieren.

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