Eßer, Anna Catharina:

Trace-Blinreflexkonditionierung bei Patienten mit degenerativen Kleinhirnkrankungen : ein Vergleich zwischen einem kurzen und langen Trace- Intervall

Duisburg, Essen (2009), 73 Bl.
Dissertation / Fach: Medizin
Medizinische Fakultät » Universitätsklinikum Essen » Klinik für Neurologie
Timmann-Braun, Dagmar (Doktorvater, Betreuerin)
Bonnet, Udo (GutachterIn)
Dissertation
Abstract:
Die klassische Blinkreflexkonditionierung ist ein erprobtes Modell um assoziatives Lernen sowohl beim Menschen, als auch bei Tieren zu untersuchen.
Die hier verwendete Trace-Blinkreflexkonditionierung, bei welcher der konditionierte (CS) und der unkonditionierte (US) Stimulus durch ein Stimulus freies Intervall getrennt werden (das Trace-Intervall), gilt als abhängig vom Hippocampus. Man schreibt ihr eine Rolle als Modell für deklaratives (explizities) Lernen zu. Dabei scheinen auch Läsionen des Kleinhirnkerns Nucleus interpositus zu einer gestörten Trace- Blinkreflexkonditionierung zu führen. Das Ziel dieser Dissertation war, die Rolle des cerebellären Kortex für diese Form der Konditionierung zu untersuchen.
Dazu wurden acht Probanden mit degenerativen Kleinhirnerkrankungen, die primär den cerebellären Kortex betreffen, und acht gesunde Kontrollprobanden an zwei Untersuchungstagen getestet. Die Untersuchungen fanden im Abstand von sieben Tagen statt, wobei zwei unterschiedlich lange Trace-Intervalle (400 ms und 1000 ms) verwendet wurden. Es wurden zunächst zehn CS und zehn US allein dargeboten, dann 100 gepaarte CS-US-Durchgänge und zuletzt 30 CS zur Extinktion, jeweils als 10er Blöcke.
Nach jeder Testsitzung wurden die Probanden zur Awareness, der Bewusstwerdung des Stimulusabfolge, mit einem Fragebogen befragt.
Sowohl Großhirn, als auch das Kleinhirn wurden MRT-volumetrisch vermessen. Erwartungsgemäß war das Kleinhirnvolumen bei den Patienten signifikant verringert.
Bei der Betrachtung des kurzen Trace-Intervalls zeigte sich eine signifikant reduzierte Anzahl an erworbenen konditionierten Antworten der Patientengruppe gegenüber der Kontrollgruppe. Im langen Trace-Intervall zeigte sich kein Unterschied zwischen den Gruppen, ebenso bei der Untersuchung des Timings der konditionierten Antworten.
Zusammenfassend legt diese Arbeit nahe, dass der cerebelläre Kortex beim Menschen eine Rolle in dieser Art der Blinkreflexkonditionierung spielt, vorausgesetzt, dass das Trace-Intervall relativ kurz gewählt wird.

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