Zum Verhältnis von allgemeiner und beruflicher Bildung im Kontext bildungstheoretischer Reformkonzepte - Rückblick und Perspektiven

In: Zeitschrift für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Jg. 99 (2003) ; Nr. 3, S. 328-349
Zeitschriftenaufsatz / Fach: Erziehungswissenschaften
Abstract:
Die Theorie der beruflichen Bildung scheint nach Auffassung des Autors unter die Räder der normativen Kraft des Faktischen geraten zu  sein. Anfang der 1990er Jahre präsentierte die DFG-Senatskommission die Berufsbildungsforschung an den Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland „unter dem Anspruch des Bildungsprinzips“. Zur gleichen Zeit postulierte die Kultusministerkonferenz in ihrer Rahmenvereinbarung über die Berufsschule, dass Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe in der dualen Berufsausbildung „einen gemeinsamen Bildungsauftrag“ zu erfüllen haben. Doch in der berufs- und wirtschaftspädagogischen Forschung und Praxis spielt der Bildungsbegriff nur noch eine marginale Rolle. Anlass für den Autor, den Zusammenhang von allgemeiner und beruflicher Bildung im Kontext der „großen Reformdebatten“ um die neuhumanistische Moderni¬ierung des  Bildungswesens in Preußen, die kulturpädagogische Grundlegung der Berufsschule und die Integration von gymnasialer Oberstufe und beruflichem Schulwesen im Modellversuch Kollegstufe des Landes Nordrhein-Westfalen anhand der Bildungskonzepte von Humboldt, Spranger und Blankertz noch einmal nachzuzeichnen und nach bildungstheoretischen Potentialen für künftige  Entwicklungen im Rahmen des etablierten „Systems“ der getrennten Bildungssysteme in der Sekundarstufe II zu fragen. Hierbei spielt die Frage nach der Verbindung von wissenschaftsorientiertem Lernen und beruflicher Kompetenzentwicklung eine ebenso bedeutsame Rolle wie die Idee einer an Humboldts Konzept der „ganzen Nation“ orientierten Bildung im Sinne öffentlichen Handelns (Hannah Arendt).

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