Arbeitslosigkeit und ehrenamtliche Tätigkeit im Zeitverlauf. Eine Längsschnittanalyse der westdeutschen Stichprobe des Soziooekonomischen Panels (SOEP) für die Jahre 1992 und 1996.

In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 52 (2000) ; Nr. 2, S. 291-310
ISSN: 0023-2653, 1861-891X
Zeitschriftenaufsatz / Fach: Soziologie, Sozialwissenschaften
Abstract:
Ausgangspunkt des Beitrags ist die in Deutschland seit einiger Zeit geführte Diskussion über die Möglichkeiten einer Entschärfung der Krise auf dem Arbeitsmarkt durch eine verstärkte Förderung ehrenamtlicher Tätigkeiten. Aus diesem Grund sind die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf die Wahrscheinlichkeit, ehrenamtlich aktiv zu sein, von besonderem Interesse. Zu diesem Zweck werden auf Grundlage von Längsschnittdaten der westd eutschen Stichprobe des sozio-oekonomischen Panels (SOEP) logistische Regressionsmodelle für die Jahre 1992 und 1996 geschätzt. Die Ergebnisse liefern keinen Beleg für eine verstärkte Aufnahme bzw. erhöhte Stabilität der ehrenamtlichen Beschäftigung von Arbeitslosen in Westdeutschland. Es zeigt sich vielmehr, dass vor allem ein höherer Bildungsstatus oder aber ‚gesicherte’ Familienverhältnisse die Chance der ehrenamtlichen Tätigkeit vergrößern. Auf dem ‚Ehrenamts-Markt’ werden ähnliche Qualifikationen nachgefragt, die auch eine erfolgreiche Erwerbsarbeitsbeteiligung fördern. Insofern erweist sich die Hoffnung auf eine Bewältigung der gesamtgesellschaftlich wirksamen Arbeitsmarktkrise durch eine bei Arbeitslosen angenommene individuell größere Bereitschaft zur ehrenamtlichen Arbeit als trügerisch. Insbesondere Geringqualifizierte, als größte Problemgruppe am Arbeitsmarkt, sehen in ehrenamtlicher Arbeit offenbar kein adäquates Betätigungsfeld.

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