Der Hausarzt als Lotse im System der ambulanten Gesundheitsversorgung? Empirische Analysen zum Einfluss der individuellen Hausarztbindung auf die Zahl der Arztbesuche

In: Zeitschrift für Sozialreform, Jg. 51 (2005) ; Nr. 4, S. 369-393
ISSN: 0514-2776
Zeitschriftenaufsatz / Fach: Soziologie, Sozialwissenschaften
Abstract:
Das im Jahr 2004 in Kraft getretene Gesundheitsmodernisierungsgesetz verpflichtet Krankenkassen, Hausarztsysteme für ihre Versicherten anzubieten. Beabsichtigt ist dabei, dass die Hausärzte ihre Patienten als "Lotsen" durch das Gesundheitssystem leiten sollen. Überflüssige Arztbesuche könnten so vermieden, die Versorgungsqualität erhöht und Effizienzreserven im System der ambulanten Gesundheitsversorgung erschlossen werden. Der vorliegende Beitrag konzentriert sich auf die Häufigkeit von Arztbesuchen als einen wichtigen Parameter der Inanspruchnahme ambulanter Gesundheitsleistungen. Dabei wird deutlich, dass die Konsultation von Hausärzten nicht automatisch zu einer Reduktion der Zahl von Arztbesuchen führt. Multivariate Untersuchungen auf Basis der Daten des Bundesgesundheitssurveys zeigen sogar generell häufigere Arztbesuche von Patienten, die über einen Hausarzt verfügen. Darüber hinaus reduzieren Hausärzte nicht die Zahl der Facharztbesuche. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Erschließung von Effizienzreserven durch die Einführung von Hausarztmodellen einer intelligenten Umgestaltung des ambulanten Gesundheitswesens in Deutschland bedarf und keineswegs voraussetzungslos zu positiven Effekten führen wird. Darüber hinaus müssen bei der Ausgestaltung qualitative Aspekte der Versorgung berücksichtigt werden.

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