Arbeitslos oder erwerbsunfähig? Unterschiedliche Formen der Nicht‐Erwerbstätigkeit in Europa und den USA.

In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 60 (2008) ; Nr. 3, S. 579-608
ISSN: 0023-2653, 1861-891X
Zeitschriftenaufsatz / Fach: Soziologie, Sozialwissenschaften
Abstract:
Eine internationale Gegenüberstellung von Arbeitslosenquoten suggeriert eine schlechte Funktionsfähigkeit des deutschen Arbeitsmarktes. Der Beitrag versucht durch einen Vergleich Deutschlands, der Niederlande, Frankreichs, Dänemarks, Großbritanniens sowie der USA zu zeigen, dass sich bei einer zusätzlichen Berücksichtigung alternativer Nicht-Erwerbstätigkeitsformen wie der Erwerbsunfähigkeit, dem Ruhestand oder aber der Nicht-Teilnahme am Arbeitsmarkt jedoch ein differenzierteres Bild ergibt. Zu diesem Zweck werden die Daten des “European Social Surveys” (ESS) und der Befragung „Citizenship, Involvement and Democracy“ (CID) aus den Jahren 2004 bzw. 2005 analysiert. Während in Deutschland der Status der Arbeitslosigkeit eine herausragende Rolle spielt, werden hinsichtlich demographischer Faktoren und des Gesundheitszustandes vergleichbare Personen in den übrigen Ländern in erheblich größerem Ausmaß als erwerbsunfähig eingestuft. Insgesamt unterstreichen die gezeigten Ergebnisse, dass sich eine Einschätzung und ein internationaler Vergleich der Arbeitsmarktperformance im Allgemeinen und der Wirksamkeit von arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Reformen im Besonderen nicht allein auf Erwerbs- und Arbeitslosenquoten beschränken sollten. Die Berücksichtigung alternativer Nicht-Erwerbstätigkeitsformen kann unser Wissen über die zum Teil deutlich unterschiedliche Funktionsweise von Arbeitsmärkten bereichern.