Entwicklungslinien öffentlicher und freier Wohlfahrtspflege : Eine Vorstudie zum Wunsch- und Wahlrecht des Kinder- und Jugendhilferechts im Kontext des deutschen Sozialleistungssystems

Norderstedt: Books on Demand (2009) (Schriften und Werkstattpapieren aus dem Institut für Soziale Arbeit und Sozialpolitik (ISSN 1869-6376) ; 1), 148 Seiten
ISBN: 978-3-8391-3300-2
Buch / Monographie / Fach: Soziologie, Sozialwissenschaften
Abstract:
Diese Arbeit beschreibt Entstehungs- und Entwicklungskontexte des Wunsch- und Wahlrechtes im Kinder- und Jugendhilferecht.Aus sozialwissenschaftlicher Perspektive wird die historische Entwicklung organisierter Fürsorge in Deutschland rekonstruiert, weil die beginnende Herausbildung individueller (Sozial)Rechte im Laufe des 19. Jahrhunderts untrennbar von der Entstehung deutscher Fürsorgestrukturen ist. Bedeutungsvoll scheint dabei, dass, ausgehend von diesen sich konstituierenden Fürsorgeformationen, zuerst im Deutschen Reich und später ausgeprägter in der Weimarer Republik, eine Grundstruktur sozialer Rechte entstand, die bis heute Grundlage bundesdeutscher Sozialgesetzgebung ist. Beginnend bei der Darstellung gängiger Unterstützungssysteme zum Ende des 18. Jahrhunderts, werden nachfolgend solche Entwicklungen in der Fürsorge rekonstruiert, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Entstehungprozesse organisierter Fürsorge verdeutlichen. Dabei werden insbesondere das Gedeihen staatlicher Reglementierung und der Fortgang (wohlfahrts)verbandlicher Institutionalisierung aufgezeigt. Am Beispiel staatlicher und kirchlicher Fürsorgestrukturen in der Mitte des 19. Jahrhunderts wird demonstriert, warum hilfebedürftige Individuen zuerst zu Objekten einer eher unverbindlichen Fürsorge wurden. Anschließend wird präzisiert, wie der fortschreitende Organisierungsgrad staatlicher und freier Fürsorgeerbringung diesen Objektstatus festigt. Zugleich wird der Einfluss kirchlicher Akteure der Armenpflege und später der Wohlfahrtspflege auf die Ausgestaltung des gesetzlich normierten Verhältnisses öffentlicher zu freier Wohlfahrtspflege nachvollziehbar.Bevor diesem Aspekt mehr Beachtung zukommt wird dargelegt, warum den freien Trägern der Wohlfahrtspflege eine besondere Rolle in der Ausgestaltung der Kriegswohlfahrtspflege im ersten Weltkrieg zukam und welche Konsequenzen dieser Umstand hatte. Es zeigt sich, weshalb aufgrund ziviler Kriegsbeteiligung der Verbände die Fürsorgeorganisation in Weimar grundlegend verändert werden konnte. Erst dann kann sich die Darstellung mit der sozialrechtlichen Ausgestaltung des Verhältnisses öffentlicher zu freier Wohlfahrtspflege auseinandersetzen.Die Beschreibung der Sozialgesetzgebungspraxis in Weimar hebt insbesondere die Umsetzung subsidiärer Ordnung im Sozialrecht hervor. Nachfolgend wird die Bedeutung solcher Gedanken für die Wohlfahrtsorganisation umfassend untersucht. Anhand dieser Darstellung kann anschließend beschrieben werden, warum diese Regelungen in der Bundesrepublik Deutschland weitestgehend übernommen wurden. Die Arbeit widmet sich dann den aus der Gesetzesübernahme resultierenden politischen Konflikten. Sodann wird verdeutlicht, warum sich durch die beschriebenen Institutionalisierungsprozesse das Bild vom Individuum in der Zivilgesellschaft allmählich wandelt und welche sozialrechtlichen Konsequenzen daraus gezogen werden. In der Arbeit wird aufgezeigt, wie sich der Paradigmenwechsel von der 'Objektivierung' zur 'Subjektivierung' des Hilfebedürftigen bis zu Beginn der 1990er Jahre gestaltet, und welchen Stellenwert dabei dem Wunsch- und Wahlrecht zukommt. Die Betrachtungsgrundlage bildet in der Hauptsache die Entwicklung des bundesdeutschen Jugendrechts von der Übernahme des Reichsjugendwohlfahrtsgesetzes zum Jugendwohlfahrtsgesetz und weiter zum Sozialgesetzbuch – achtes Buch –. Anhand solcher Beschreibungen kann der Entwicklungskontext des Wunsch- und Wahlrechtes im Kinder- und Jugendhilferecht nachgezeichnet werden. Synchron dazu wird das Wunsch- und Wahlrecht in den Kontext praktischer Ausgestaltung subsidiärer Gedanken durch öffentliche und freie Jugendhilfeträger gestellt.

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