Fischer, Sven:

Molekulargenetische Untersuchung des Okulo-Aurikulo-Vertebralen Spektrums (OAVS) : Molecular ivestigation of the oculo-auriculo-vertebral spectrum ( OAVS)

Duisburg, Essen (2006), VI, 85 BI.
Dissertation / Fach: Biologie
Fakultät für Biologie
Horsthemke, Bernhard (Doktorvater, Betreuerin)
Esche, Helmut; Gerd Scherer (GutachterIn)
Dissertation
Abstract:
Das Okulo-Aurikulo-Vertebrale Spektrum (OAVS) ist ein heterogenes, klinisch sehr variables Krankheitsbild, dessen genetische Ursachen noch nicht geklärt sind. Ziel der vorliegenden Arbeit war es, einen Gendefekt für OAVS zu identifizieren. Die Auswahl der Kandidatengene erfolgte nach zwei verschiedenen Gesichtspunkten. In dem ersten Teilprojekt sollten zwei Gene untersucht werden, die bei klinisch ähnlichen Fehlbildungssyndromen betroffen sind (Treacher Collins-Syndrom (TCS), Branchio-Oto-Renale Dysplasie (BOR)). Hierfür sollte bei Patienten mit OAVS und einem überlappenden Phänotyp zum TCS eine Mutationsanalyse im TCOF1-Gen, bzw. bei Patienten mit OAVS und einem überlappenden Phänotyp zum BOR im EYA1-Gen durchgeführt werden. Es konnten keine Mutationen identifiziert werden. Dies lässt den Schluss zu, dass es sich bei OAVS und TCS bzw. BOR nicht um allelische Fehlbildungssyndrome handelt. In dem zweiten Teil sollten, ausgehend von einer Translokation t(4;8)(p15.3;q24.1) bei einer Patientin mit OAVS, zwei Gene auf Chromosom 4p15 (RAB28 und BAPX1) bei Patienten mit OAVS auf Mutationen untersucht werden. RAB28 wird durch die Translokation zerrissen und war somit ein gutes positionelles Kandidatengen. BAPX1 liegt 76kb proximal zum Translokationsbruchpunkt und war aufgrund seiner bereits beschriebenen Funktion ein sehr gutes funktionelles Kandidatengen für OAVS. Auch hier ergab die Mutationsanalyse keine bona fide Mutation. Expressionsanalysen von BAPX1 an Fibroblastenkulturen von Patienten mit OAVS zeigten jedoch in fünf von zwölf untersuchten Fällen ein verschobenes Transkriptverhältnis. Segregationsanalysen ergaben, dass das verschobene Transkript-verhältnis in einem Fall de novo aufgetreten ist und in zwei Fällen vererbt wurde. In zwei von drei untersuchten Fällen konnte gezeigt werden, dass Histondeacetylierung an dem verschobenen Transkriptverhältnis beteiligt ist. In fünf Fällen gibt es Hinweise darauf, dass BAPX1 zu gering exprimiert wird. Die verringerte Expression von BAPX1 könnte zu Haploinsuffizienz während der Embryonalentwicklung führen und so zur Ausprägung von OAVS beitragen. In zwei Fällen konnte das Vorliegen einer BAPX1-Veränderung als somatisches Mosaik gezeigt werden. In einem Fall führt sie zu einer Gendosisveränderung auf DNA-Ebene. In einem weiteren Fall kann auf RNA-Ebene das verschobene Transkriptverhältnis nur in einer von vier untersuchten Fibroblastenkulturen nachgewiesen werden. Aufgrund der vorliegenden Ergebnisse kann davon ausgegangen werden, dass eine fehlerhafte Regulation von BAPX1 eine Rolle bei der Ausprägung von OAVS spielt.