Felder, Stefan; Busse, R.; Behrend, C.:

Zur Strategieanfälligkeit der Arzneimittelkomponente des IPHCC+RxGroups-Klassifikationssystems in einem morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich - Eine konzeptionelle und datengestützte Analyse .

In: Das Gesundheitswesen., Jg. 69 (2007) ; Nr. 1, S. 1-10
ISSN: 0941-3790, 0949-7013
Zeitschriftenaufsatz / Fach: Wirtschaftswissenschaften
Abstract:
Hintergrund: Die Gutachterempfehlung zu der im Reformgesetz von 2001 festgelegten morbiditätsbezogenen Klassifikation der Versicherten im Risikostrukturausgleich (RSA) sieht eine Eingruppierung der Versicherten nach Krankenhausdiagnosen und Arzneimittelverordnungen entsprechend dem System IPHCC+RxGroups vor.

Ziel: Es sollen konzeptionell und datengestützt mögliche Fehlanreize der Arzneimittelkomponente des empfohlenen Klassifikationssystems und deren Wirkungen hinsichtlich der finanziellen Position von Kassen bei einem derartigen RSA untersucht werden.

Methodik: Für drei Beispiele möglicher Fehlanreizsetzung durch das RxGroups-System führen wir Simulationsrechnungen durch. Dabei werden für einzelne Veränderungen der Morbiditätseinstufungen im klassifikationsrelevanten Jahr t-1 die finanziellen Verteilungswirkungen über dieses und das Ausgleichsjahr t analysiert. Grundlage für die Berechnungen bilden die pseudonymisierten Versicherungs- und Leistungsdaten einer BKK-Stichprobe mit rund 370.000 Versicherten aus den Geschäftsjahren 2000 und 2001.

Ergebnisse: Gesamtwirtschaftlich gesehen führen alle Interventionen zu Ausgabensteigerungen. Auf Einzelwirtschaftsebene einer Kasse zeigt sich allerdings, dass es Bereiche gibt, in denen gezielte Interventionen auch im Falle der empfohlenen begrenzt-prospektiven Ausgestaltung des RSA unter Umständen lukrativ sein können und allemal rational sind.

Schlussfolgerungen: Bei der morbididätsorientierten Weiterentwicklung des RSA sollte der Gesetzgeber die Strategieanfälligkeit der Arzneimittelkomponente des IPHCC+RxGroups-Klassifikationssystems begrenzen. Das Klassifikationssystem sollte mehr von der Krankheit und weniger vom Wirkstoff und der Indikation her kommend aufgebaut werden. Dies schließt auch eine Einschränkung des Spektrums der abgebildeten Krankheiten und klassifikationsrelevanter Verordnungen ein.

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