Erfordert eine Reform der Unternehmensbesteuerung die Berücksichtigung von KMU?

In: Management kleiner und mittlerer Unternehmen. / Letmathe, P.; Eigler, J.; Welter, F.; Kathan, D.; Heupel, T. (Hrsg.)
Wiesbaden: Gabler (2007), S. 695-712
ISBN: 978-3-8350-0660-7, 978-3-8350-5498-1
Buchaufsatz / Kapitel / Fach: Wirtschaftswissenschaften
Abstract:
Die Bundesregierung plant zum 01.01.2008 eine Reform der Unternehmensbesteuerung (s. Bundesministerium der Finanzen 2006a, 11). Dabei sollen „die Belange des Mittelstandes besonders berücksichtigt“ werden. Diese Absichtserklärung wirft die Frage auf, ob eine Reform der Unternehmensbesteuerung diese Beachtung überhaupt erfordert. Eine Neukonzeption der Unternehmensbesteuerung setzt voraus, dass Ziele der Besteuerung ausgewählt werden, die mit den Besteuerungsregeln erreicht werden sollen. Die These dieses Beitrags lautet: KMU sollten bei einer Neukonzeption der Unternehmensbesteuerung Berücksichtigung finden, weil nur dann gewährleistet ist, dass eine solche Neukonzeption den zugrunde gelegten Zielen (Leitlinien) gerecht wird. Ziele der Besteuerung werden aus dem zugrunde gelegten Wirtschaftsordnungsverständnis abgeleitet. Ein solches Wirtschaftsordnungsverständnis impliziert erfahrungswissenschaftliche Aussagen und darauf aufbauend das Verfolgen von Zielen, die eine ideale Wirtschaftsordnung kennzeichnen. Im betriebswirtschaftlichen Schrifttum wird häufig auf ein neoklassisches Wirtschaftsordnungsverständnis rekurriert: Nach (2006, 105 f.) ist die Ausgestaltung der Unternehmensbesteuerung aus der Leitlinie „Investitionsneutralität“ zu deduzieren. Der von Ulrich Schreiber und Christoph Spengel favorisierten dualen Einkommensteuer liegt das Ziel der Finanzierungsneutralität zugrunde (vgl. Schreiber 2006, 9–12, 17–22; Schreiber/Spengel 2006, 281 f.). Investitions- und Finanzierungsneutralität sind Konkretisierungen der Leitlinie „Entscheidungsneutralität“, die aus der übergeordneten Leitlinie „Allokationseffizienz (Pareto-Effizienz)“ abgeleitet wird.