Albrecht, Philipp Moritz:

Deletionen und Insertionen des RB1-Gens bei Patienten mit Retinoblastom : Mutationsspektrum, Entstehungsmechhanismen und Genotyp-Phänotyp-Beziehungen

Duisburg-Essen (2006), III, 77 Bl.
Dissertation / Fach: Medizin
Medizinische Fakultät » Universitätsklinikum Essen » Institut für Humangenetik
Lohmann, Dietmar (Doktorvater, Betreuerin)
Esche, Helmut; Propping, P. (GutachterIn)
Dissertation
Abstract:
Mutationen des RB1-Gens sind ursächlich für die Entstehung des Retinoblastoms, des häufigsten malignen Tumors des Kindesalters. Die Bestimmung der krankheitsursächlichen Veränderung ist bei jedem Patienten für die optimale Betreuung seiner Familie erforderlich. Um Mutationen vom Typ gross deletion effizient zu erkennen, wurde in der vorliegenden Arbeit die quantitative Multiplex-PCR etabliert und mit hier neu entwickelten Methoden zur Bestätigung kombiniert. Die genomische Realtime-PCR und die Longrange-PCR bewährten sich hierbei als geeignete Verfahren. Wir konnten mittels quantitativer Multiplex-PCR bei 61 Patienten gross deletions im RB1-Gen identifizieren (33 konstitutionelle Mutationen und 28 Mutationen in Tumormaterial). Somit konnten wir die Anzahl der publizierten Mutationen dieser Art annähernd verdoppeln. In unserem Patientenkollektiv haben gross deletions einen Anteil von 15% von 443 der konstitutionellen Mutationen bei Patienten mit bilateralem oder familiärem Retinoblastom. Bei isoliert unilateral Betroffenen sind konstitutionelle gross deletions bei 6,1% von 262 festzustellen. Durch die Analyse der Genotyp-Phänotyp-Beziehungen (mit Einschluss von zuvor publizierten Mutationen) konnte hier gezeigt werden, dass gross deletions, die zu vorzeitigen Stopp Kodons führen, die A/B Pocket-Domänen betreffen oder nur einen der Bruchpunkte innerhalb des Gens haben, zu einem schwereren Krankheitsbild führen (größere Zahl von Tumoren) als Ganzgendeletionen oder in-Frame Deletionen ohne Beteiligung der A/B Pocket-Domänen. Eine mögliche Ursache für die mildere phänotypische Ausprägung bei Patienten mit konstitutionellen Ganzgendeletionen – im Vergleich zu Deletionen mit einem Bruch-punkt im RB1-Gen – könnte die Beteiligung von Genen in direkter Nähe zum RB1 sein: Die homozygote Deletion von benachbarten Genen in 5’- und in 3’-Richtung des RB1-Gens könnte zum Zelltod führen und so das Entstehen eines Tumors unterbinden. Die Analyse der Bruchpunktlokalisationen der von uns identifizierten und der zuvor ver-öffentlichten Mutationen zeigte vier Deletions-Bruchpunkt-Cluster im RB1-Gen: Intron 23, 24, 13 und 16. Durch Sequenzanalysen konnten wir zeigen, dass vermutlich Scaffold/Matrix Attached Regions (S/MARs) in Bezug auf die Ursache dieser Bruchpunkthäufungen eine Rolle spielen. Die Integration der hier entwickelten Methodik in die Routine der molekulargenetischen Analyse bei Retinoblastom führt nicht nur zu einer höheren Mutations-Finderate sondern auch zu einer Verkürzug der molekulargenetischen Befunderhebung. Daher bleiben Angehörigen mit Risikoausschluss belastende Untersuchungen früher erspart.

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