Meese, Barbara:

Körperliches Training während der Hämodialyse : Ziele, Machbarkeit, physische und psycho-soziale Effekt

Duisburg-Essen (2006), 60 Bl.
Dissertation / Fach: Medizin
Medizinische Fakultät
Daul, A. E. (Doktorvater, Betreuerin)
Vester, V. (GutachterIn)
Dissertation
Abstract:
In der vorliegenden Arbeit wurde untersucht, ob eine für die deutschen Dialysepatienten repräsentative Patientengruppe während der Dialyse ein körperliches Training absol-vieren kann und welche körperlichen und psycho-sozialen Effekte dieses Training hat. Es wurde 124 Patienten angeboten, zweimal pro Woche über 6 Monate zu trainieren. Das Training bestand aus einem Bettergometer-Training und gymnastischen Übungen zur Verbesserung der Kraft, Koordination und Flexibilität. Voraussetzung für das aktive Ergometer-Training war eine Belastbarkeit von 15 Watt über 10 Minuten. Geringer belastbare Patienten begannen mit einer passiven Ergometrie. Die Trainingsbelastung wurde mittels des subjektiven Belastungsempfindens gesteuert. Ziel war ein Wert von 13 auf der Borg-Skala. Registriert wurden die Trainingsteilnahme, die Belastungsdauer und -intensität beim Ergometertraining sowie alle unerwünschten Effekte. Der Einfluss des Trainings auf die Lebensqualität und die krankheitsbedingte psychische Belastung wurde bei 29 Patienten und einer nicht trainierenden Kontrollgruppe mit Hilfe des Medical Outcomes Study Short-Form 36-Item Health Survey und des Brief Symptom Inventory Tests überprüft. Die Einflüsse auf die renale Anämie und den Fettstoffwechsel wurden anhand der spezifischen Laborparameter und der wöchentlichen Erythropoietin-Dosis erfasst, die Beurteilung durch das Pflegepersonal mit Hilfe eines anonymen Fragebogens. Am Training nahmen 59 (28 Frauen, 31 Männer, Alter im Mittel 62,7±11,6 Jahre) der 124 Patienten (48 %) teil. Zwischen trainierenden und nicht trainierenden Patienten bestanden keine Unterschiede hinsichtlich Alter, Geschlecht und Dauer der Dialysebehandlung. Die Trainingshäufigkeit betrug im Mittel 60 ± 31 %. Bei 42 aktiv ergometrierenden Patienten stiegen die Trainingsbelastung von 26,5 ± 6 Watt auf 46,0 ± 12,4 Watt (p < 0,05) und die Belastungsdauer von 14 ± 3,2 Minuten auf 32 ± 13,5 Minuten (p < 0,05) an. Von 17 Pa-tienten, die initial am passiven Ergometertraining teilnahmen, konnten 8 Patienten zur aktiven Ergometrie wechseln. Bei allen Patienten bestand ein enger Zusammenhang zwischen Trainingshäufigkeit und Leistungssteigerung. Das Training hatte einen positiven Einfluss auf die krankheitsbedingte psychische Belastung, aber keinen Effekt auf die Anämie und den Fettstoffwechsel. Das Pflegepersonal beurteilte das Trainingsprogramm sehr positiv hinsichtlich seiner körperlichen und psycho-sozialen Effekte. Als uner-wünschte Nebenwirkungen kam es zu einzelnen Muskelkrämpfen, einer Dislokation und zu einer Lockerung der Dialysenadel. Gravierende und insbesondere kardio-vaskuläre Komplikationen traten nicht auf. Die Studie zeigt, dass nicht nur jüngere und relativ leistungsfähige, sondern auch ältere, multimorbide Patienten von einem regelmäßigen körperlichen Training während der Dialyse profitieren.