Felder, Stefan; Robra, Bernt-Peter:

Die Verzerrung des Kassenwettbewerbs durch die Kopfpauschalen in der ambulanten Vergütung

In: Gesundheits- und Sozialpolitik, Jg. 57 (2003) ; 3/4, S. 18-25
ISSN: 1611-5821
Zeitschriftenaufsatz / Fach: Wirtschaftswissenschaften
Abstract:
Seit 1993 zahlen die Krankenkassen für ambulante Leistungen eine budgetierte Vergütung per Kopfpauschalen mit befreiender Wirkung an die Kassenärztlichen Vereinigungen. Das System der Kopfpauschalen schreibt ein gewachsenes heterogenes Niveau der ambulanten Kassenausgaben fort, das sich nicht unabhängig von der historischen einnahme- und ausgabenseitigen Risikostruktur der Krankenkassen entwickelt hat. Die Kopfpauschalen des ambulanten Sektors enthalten daher bereits einen impliziten Risikostrukturausgleich (RSA). Ihn überlagerte ab 1994 der zur Eröffnung eines Kassenwettbewerbs eingeführte RSA. Dessen Transfers werden allerdings wegen der Kopfpauschalen und ihrer speziellen Fortschreibungs-Dynamik nicht an den ambulanten Sektor weitergegeben. Die vorliegende Arbeit charakterisiert die Auswirkungen des doppelten RSA als Verzerrung des Wettbewerbs zwischen den Kassen. Kasseninterne Transfers, die überregional tätigen Krankenkassen andere Wettbewerbsmöglichkeiten eröffnen als den regional tätigen, komplizieren das Vergütungssystem zusätzlich. Die beschriebenen Verzerrungen ließen sich wettbewerbsorientiert vermeiden, wenn Änderungen der Risikostruktur in die Vergütung des ambulanten Sektors einfließen Könnten und überregionale Kassen zu regional differenzierten Beitragssätzen übergehen dürften.