Über Altersindikation oder Triple-Test zur Amniozentese? Entscheidungstheoretische Überlegungen zur pränatalen Diagnostik Age or Triple-Test driven Amniocentesis? Decision Analysis of Prenatal Diagnostics

In: Informatik, Biometrie und Epidemiologie in Medizin und Biologie, Jg. 32 (2001) ; Nr. 4, S. 358-370
Zeitschriftenaufsatz / Fach: Wirtschaftswissenschaften
Abstract:
Die Prävalenz von fetalen Chromosomenanomalien ist gering, nimmt aber mit dem Alter der schwangeren Frau deutlich zu. Biochemische Screenings wie der Triple-Test erlauben es, das Risiko fetaler Anomalien genauer zu spezifizieren. Dadurch können die Zahl der Amniozentesen und proportional dazu die Zahl prozedurbedingter Aborte von gesunden Feten deutlich gesenkt werden. Diesem Nutzen stehen Nachteile der Stufendiagnostik entgegen, insbesondere
der Nutzenverlust der Schwangeren, die aufgrund eines falsch-negativen Testausgangs keine Amniozentese durchführen und ihren kranken Fetus austragen. Ausgehend von diesem Zielkonflikt zeigt dieser Beitrag mit Hilfe eines entscheidungstheoretischen Modells, dass ab einem bestimmten Alter der Erwartungsnutzen der Amniozentese jenen der Stufendiagnostik mit
Triple-Test dominiert. Weiter behandelt der Beitrag die Bestimmung des optimalen positiven
Prädikationswerts für den Triple-Test. Da der Nutzen des Triple-Tests mit zunehmender Prävalenz steigt, kann seine Güte mit steigendem Alter der Schwangeren abnehmen. Das Cutoff-Risiko sollte deshalb nicht wie in der Praxis üblich konstant gehalten werden, sondern mit dem Alter der Schwangeren abnehmen.

Dieser Eintrag ist freigegeben.