Frank, Benedikt:

Sprachliche und räumlich-visuelle Funktionen bei Kindern und Jugendlichen mit akuten Läsionen des Kleinhirns

Duisburg, Essen (2009), 99 Bl.
Dissertation / Fach: Medizin
Medizinische Fakultät » Universitätsklinikum Essen » Klinik für Neurologie
Timmann-Braun, Dagmar (Doktorvater, Betreuerin)
Schara, Ulrike; Daum, I. (GutachterIn)
Duisburg, Essen, Univ., Diss., 2009
Abstract:
Das Kleinhirn ist wichtig für die Koordination von Bewegungen. Seit 1986 wird ihm aufgrund seiner reziproken Verbindungen zu verschiedenen nicht primär motorischen Großhirnarealen eine Mitbeteiligung an kognitiven Prozessen zugeschrieben . Angelehnt an das „zerebelläre kognitive affektive Syndrom“, das von Schmahmann und Sherman (1998) eingeführt wurde, soll der Vermis die Rolle des zerebellären limbischen Systems haben, während die rechte laterale Hemisphäre für Sprach­aufgaben und die linke für räumlich-visuelle Prozesse zuständig sein soll. Die Befundlage bei chronischen Patienten ist nicht einheitlich . Befunde bei chronischen Patienten könnten in der akuten Phase anders aussehen, da aufgrund der guten Reorganisationsfähigkeit des Klein­hirns Defizite nach fokalen Läsionen schnell kompensiert werden können. Gut kontrollierte Studien an Patienten mit akuten fokalen Läsionen sind jedoch noch selten, obwohl vor allem im Kindes- und Jugendalter Kleinhirntumore eine der häufigsten Tumorentitäten sind. In der vorliegenden Studie wurden Kinder und Jugendliche mit fokalen Kleinhirnläsionen wenige Tage nach einer neuro-chirurgischen Operation getestet und mit einer orthopädischen Kontrollgruppe verglichen. Während in einer Verbgenerierungsaufgabe keine sicheren sprach­lichen Defizite gefunden werden konnten, waren die zerebellären Patienten mit rechtshemisphärischen Läsionen beim Schriftsprache-Teil eines Aphasietests gering beeinträchtigt. Bei der Testung räumlich-visueller Funktionen wurden zwar Abweichungen bei den zerebellären Probanden gefunden, diese waren jedoch nicht lateralisiert oder in dem Ausmaß vorhanden, wie sie nach zerebralen Läsionen gefunden werden können. Zusammenfassend konnten keine eindeutig abgrenzbaren kognitiven Defizite nach fokalen zerebellären Läsionen nachgewiesen werden. Während in räumlich-visuellen Aufgaben keine klinisch signifikanten Beeinträchtigungen gefunden werden konnten, sind leichte aphasische Symptome nach akuten rechtshemisphärischen Kleinhirnläsionen jedoch nicht sicher auszuschließen.