Felder, Stefan; Meyer, Frank P.:

Glycoprotein IIb / IIIa-Rezeptorantagonisten in der Therapie akuter koronarer Syndrome - Ein gesundheitsökonomischer HTA-Bericht

1. Aufl. , Köln: Warda / DIMIDI (2003) (7), 81 Seiten
ISBN: 3-89906-721-5
Buch / Monographie / Fach: Wirtschaftswissenschaften
Abstract:
Die akuten koronaren Herzerkrankungen sind mit 85,5 Sterbefällen pro 100.000 Einwohner nach den chronischen ischämischen Herzerkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Die stationäre Morbiditätsziffer liegt bei 161 (Daten des Statistischen Bundesamts für 1999, beide Geschlechter, alle Altersklassen). Die mit den akuten koronaren Herzerkrankungen verbundene Krankheitslast ist somit beträchtlich.
In den letzten zehn Jahren hat sich das Management von ACS revolutionär entwickelt. Das betrifft einerseits ihre Differenzierung, da neben der instabilen Angina pectoris und dem manifesten Herzinfarkt als dritte Entität der kleine Infarkt definiert wird. Andererseits wird mit den Antagonisten des Thrombozytenrezeptors GP-IIb / IIIa eine neue Klasse von Wirkstoffen
entwickelt, von denen man sich eine wirksamere Beschränkung der Thrompozytenaggregation verspricht.
Die medizinische Effektivität der drei zur Therapie von ACS zugelassenen Wirkstoffe A, E und T ist in mehreren groß angelegten Doppelblindstudien untersucht worden. Bei einigen Studien werden parallel ökonomische Untersuchungen durchgeführt, die sich mit der Änderung des
Ressourcenaufwands befassen.
Die Recherche für den vorliegenden gesundheitsökonomischen HTA-Bericht erfolgt in einschlägigen Datenbanken über das Internet. Um Aussagen zu den Kosten der Medikation in Deutschland treffen zu können, werden die Apothekenpreise der Wirkstoffe erhoben. Angaben zu den Änderungen der Aufwände im stationären Bereich stützen sich wiederum auf die einschlägige internationale Literatur.
Wir präsentieren die medizinischen Ergebnisse in Form des NNT-Werts (NNT = Number-Needed-To-Treat). Dieser Wert zeigt an, wie viele Patienten mit dem untersuchten Wirkstoff behandelt werden müssen, um einen vordefinierten primären Endpunkt vermeiden zu können.
Analog geben wir als ökonomische Kennziffer an, welcher Geldbetrag für die Medikation
aufgewendet werden muss, um einen Endpunkt zu vermeiden.
Die Ergebnisse des HTA-Berichts lassen sich aufgeteilt auf die instabile Angina pectoris und den kleinen Herzinfarkt einerseits und den großen Herzinfarkt andererseits wie folgt zusammenfassen.
Instabile Angina pectoris und kleiner Herzinfarkt
- Die medizinische Wirksamkeit von A, E und T ist bei primär invasivem (PTCA, Stent) deutlich besser als bei primär konservativem Vorgehen. A erweist sich hier eindeutig als die wirksamste Substanz. Die NNT-Werte zur Vermeidung eines primären Endpunkts (Tod,Herzinfarkt und / oder Revaskularisation) innerhalb von 30 Tagen betragen bei A je nach Studie zwischen 15 und 22.
- Die Kosten von A belaufen sich bei einem Patienten mit 70 kg Körpergewicht auf € 1.050. Um einen primären Endpunkt zu vermeiden, müssen zwischen € 15.500 und € 30.300 ausgegeben werden.
- Bei primär konservativem Vorgehen schneidet T gegenüber E deutlich besser ab. Wenn zusätzlich Heparin (H) eingesetzt wird, erreichen die NNT-Werte 31. Die Kosten bei T betragen pro Patient € 655. Die Kosten zur Vermeidung eines primären Endpunkts liegen bei € 20.000.
Glycoprotein IIb / IIIa-Rezeptorantagonisten in der Therapie akuter koronarer Syndrome
- Einen besonderen Nutzen von der Behandlung mit A und T haben Patienten mit hohen Troponin-Werten. Die NNT-Werte werden deutlich reduziert, mit A von 22 auf 7 und mit T von 71 auf 11.
- Sowohl beim invasiven als auch beim konservativen Vorgehen führt der Einsatz der GP-IIb /IIIa-Rezeptorantagonisten zu einem Rückgang der Revaskularisationen. Dadurch wird die Verweildauer im Krankenhaus gesenkt. Die damit verbundenen Kosteneinsparungen können die Medikationskosten kompensieren, wie mehrere Untersuchungen gezeigt haben.
Großer Herzinfarkt
- Bei Patienten mit primär invasivem Vorgehen kann ein primärer Endpunkt vermieden werden, wenn 12 bis 18 Patienten mit A behandelt werden. Die Kosten zur Vermeidung eines Endpunkts sind zu vergleichen mit denen beim ACS (zwischen € 12.400 und € 18.600).
- Die Zahl der Revaskularisationen geht beim großen Herzinfarkt durch den Einsatz von A zurück, wenn auch um 50 % weniger stark als beim kleinen Herzinfarkt (NNT = 30 vs. NNT = 20). Obwohl ökonomische Untersuchungen dazu vollständig fehlen, können die Revaskularisationen den Ausschlag für die ökonomische Bewertung geben.

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